KI-Modelle · OpenAI
GPT-6 Sol und Luna halbieren die Preise — und der Name Sol steht jetzt für etwas anderes als im Juli
Drei Wochen nach dem Start von GPT-6 Astra hat OpenAI am 22. September die beiden kleineren Modelle der neuen Generation vorgestellt: GPT-6 Sol und GPT-6 Luna. Astra bleibt an der Spitze — „GPT‑6 Astra continues to be our best model across the board“, schreibt OpenAI, es bleibe also über die ganze Bandbreite das beste Modell. Sol und Luna sollen die Fortschritte, die Astra bei Fachwissen, Faktentreue, Programmierung und Computerbedienung gebracht hat, in schnellere und billigere Modelle übertragen; trainiert worden seien sie „with similar methods as GPT‑6 Astra“. Verfügbar sind beide ab sofort in ChatGPT Work und Codex für zahlende Nutzer sowie über die API unter den Kennungen gpt-6-sol und gpt-6-luna; im regulären ChatGPT-Chat noch nicht.
Die Aufgabenteilung ist klar gezogen. Sol ist für anspruchsvollere, mehrstufige Arbeit gedacht — agentisches Programmieren und Aufgaben, bei denen Zwischenergebnisse sorgfältig geprüft werden müssen. Luna zielt auf das Massengeschäft mit klarer Aufgabe: Dokumente zusammenfassen, Felder extrahieren, schnelle Fragen beantworten. Für das Schwierigste bleibt Astra zuständig.
Der eigentliche Hebel ist der Preis. GPT-6 Sol kostet 2 Dollar je Million Eingabe- und 10 Dollar je Million Ausgabe-Token, GPT-6 Luna 0,10 beziehungsweise 0,50 Dollar. Laut OpenAIs eigener Preistabelle ist das jeweils die Hälfte der bisherigen GPT-5.6-Preise (Sol 4/20 Dollar, Luna 0,20/1,20 Dollar). Astra kostet weiterhin 10/50 Dollar, wie wir in unserer Ausgabe vom 4. September berichtet haben. Sol ist damit fünfmal, Luna hundertmal billiger als das Topmodell der eigenen Familie.
Die Namen sind alt, ihre Bedeutung nicht. GPT-5.6 war im Juli als dreiteilige Familie gestartet: Sol als Flaggschiff, Terra als Alltagsmodell, Luna als günstigste Stufe (Ausgabe vom 10. Juli). Mit Astra kam im September ein neues Spitzenmodell hinzu — und Sol rutschte auf die zweite Stufe, ohne dass sich der Name änderte. Terra kommt in der Ankündigung von GPT-6 überhaupt nicht vor. Für Unternehmen, die Modellnamen in Verträgen, Budgets oder Routing-Regeln festschreiben, ist das eine praktische Warnung: Ein gleichbleibender Name garantiert keine gleichbleibende Position in der Leistungs- und Preisordnung. Maßgeblich ist die konkrete Modellkennung, nicht die Familie.
Bei den Benchmarks vergleicht OpenAI vor allem mit Anthropic. Auf AutomationBench, einem Test geschäftlicher Abläufe über 47 Werkzeuge hinweg, schlägt Sol mit höchster Denkstufe laut OpenAI Claude Opus 5 im Maximalmodus — zu 9 Prozent von dessen Kosten pro Aufgabe. Auf DeepSWE v1.1, einem Test mit echten Softwareprojekten, kommt Sol auf 68,8 Prozent und liegt damit 1,1 Prozentpunkte hinter dem besten Wert von Anthropics Spitzenmodell Fable (69,9 Prozent), bei rund 80 Prozent geringeren Kosten. Im Computerbedienungstest OSWorld 2.0 erreicht Sol 60,5 Prozent gegenüber 60,3 Prozent für Opus 5 im mittleren Modus. Eine Fußnote verdient Beachtung: Den Kostenwert für Fable 5.1 bezeichnet OpenAI selbst als zu niedrig, weil rund 40 Prozent der Aufgaben an Opus 5 weitergereicht wurden und diese Kosten fehlen. Alle Kostenvergleiche beruhen auf OpenAIs Methodik und sind bislang nicht unabhängig nachgemessen. Und sie verglichen Sol mit Opus 5 — das seit Dienstag einen Nachfolger hat.
Die Behauptung „weniger Fehler“ braucht Kontext. Sol mache „about half as many mistakes as its predecessor“, also etwa halb so viele Fehler wie GPT-5.6 Sol. Gemessen wurde das an anonymisierten ChatGPT-Gesprächen, in denen Nutzer zuvor einen Sachfehler eines älteren Modells gemeldet hatten. OpenAI schränkt selbst ein, diese Gespräche seien „not representative of typical usage, where factual errors are more rare“ — nicht repräsentativ für den Alltag, in dem Sachfehler seltener sind. Es ist ein Vergleich auf einem für die Fehlersuche ausgewählten Datensatz, keine Fehlerquote im Normalbetrieb.
Die leisere Nachricht betrifft das Caching. Zeitgleich hat OpenAI das Prompt-Caching für GPT-6 überarbeitet: Wiederverwendete gemeinsame Anfangsstücke eines Prompts werden jetzt innerhalb eines 30-Minuten-Fensters rabattiert, mit bis zu 90 Prozent Nachlass auf zwischengespeicherte Eingabe-Token. GitHub wird mit der Aussage zitiert, man habe den Anteil der frisch zu verarbeitenden Prompt-Token über Milliarden Anfragen „by more than 50%“ gesenkt; weitere Kunden berichten von 20 und 36 Prozent geringeren Kosten. Das sind von OpenAI ausgewählte Referenzen, keine unabhängige Erhebung. Für agentische Anwendungen, die denselben langen Kontext immer wieder schicken, ist die Trefferquote des Caches damit ein eigener Kostenhebel — oft ein größerer als der Listenpreis.
Was daraus folgt. Aufgaben, die bisher aus Qualitätsgründen auf einem teuren Modell liefen, sind Kandidaten für einen Test mit Sol oder Luna — gemessen an der eigenen Last, nicht an den Herstellerzahlen. Und die Halbwertszeit solcher Vergleiche ist kurz: Anthropic hat Claude Opus 5.5 laut TechCrunch rund 90 Minuten vor OpenAIs Ankündigung veröffentlicht (siehe den folgenden Artikel). Wie man solche Wechsel prüft, ohne das eigene Produkt zu beschädigen, beschreibt die Reportage dieser Ausgabe.
- OpenAI — Introducing GPT-6 Sol and Luna (22.9.2026; openai.com liefert 403, Volltext über das Internet Archive gelesen; Preistabelle, Benchmarks, Fable-Fußnote und Faktentreue-Einschränkung stringgeprüft)
- OpenAI — Better prompt caching for GPT-6 (22.9.2026; über das Internet Archive gelesen; 30-Minuten-Fenster, 90 Prozent Rabatt und GitHub-Zitat stringgeprüft)
- TechCrunch — OpenAI launches GPT-6 Sol and Luna, boasting lower cost and fewer mistakes (22.9.2026, Lucas Ropek; Fundstelle für die 90 Minuten Abstand zu Anthropic)
- MacRumors — OpenAI's New GPT-6 Sol and Luna Models Bring Astra Improvements to Cheaper Tiers (22.9.2026, Juli Clover; zweite unabhängige Quelle)
- GitHub Changelog — OpenAI's GPT-6 Sol and GPT-6 Luna now available (22.9.2026)