Börse · Cerebras IPO
Cerebras an der Nasdaq: 5,55 Mrd. USD Erlös, +68 Prozent Schlusskurs, 95 Mrd. Marktkap. — der größte Tech-IPO seit Uber
Die finalen IPO-Parameter: 30 Millionen Aktien zu einem Ausgabepreis von 185 US-Dollar, dazu eine Greenshoe-Option auf weitere 4,5 Millionen Aktien für die Konsortialführer. Die Aktie eröffnete auf der Nasdaq bei 350 Dollar, erreichte intraday 385 bis 386 Dollar und schloss bei 311,07 Dollar — ein Plus von 68 Prozent zum Ausgabepreis. CEO Andrew Feldman hält nach dem Tag eine Beteiligung im Wert von rund 1,9 Milliarden Dollar (Bloomberg nennt 3,2 Milliarden zum Hoch), CTO Sean Lie liegt bei etwa einer Milliarde. Lead Underwriter sind Morgan Stanley, Citigroup, Barclays und UBS; Bookrunner sind Mizuho und TD Cowen.
Cerebras ist damit das erste rein auf KI-Inferenz spezialisierte Unternehmen, das eine öffentliche Notierung erreicht — und das erste ernstzunehmende Pure-Play unter den Nvidia-Herausforderern. Die Wafer-Scale-Engine-3 (WSE-3), die im März 2024 mit TSMCs 5-nm-Prozess gestartet wurde, belegt mit 46.225 Quadratmillimeter Fläche einen kompletten 300-mm-Wafer: 4 Billionen Transistoren, 900.000 KI-Kerne, 44 Gigabyte On-Chip-SRAM und 21 Petabyte pro Sekunde interne Speicherbandbreite. Der Pitch: Inferenz auf einem einzigen Chip ist bei großen Modellen schneller und energieeffizienter als verteilte GPU-Cluster mit NVLink-Engpass.
Die Finanzdaten erklären die zweimalige Anhebung der Preisspanne. Cerebras verzeichnete 2025 einen Umsatz von 510 Millionen Dollar (plus 76 Prozent gegenüber 2024) und einen Net Income von 87,9 Millionen Dollar im Q4 — der erste profitable Quartalsabschluss überhaupt nach Verlusten von 485 Millionen im Vorjahr. Der Master Relationship Agreement mit OpenAI vom Januar 2026 verpflichtet OpenAI zur Abnahme von 750 Megawatt Inferenz-Compute bis 2028 mit Option auf zwei Gigawatt bis 2030; das Mindestvolumen liegt bei über 10 Milliarden Dollar. Im März 2026 folgte eine Disaggregation-Architektur mit AWS Bedrock, in der Trainium den Prefill und Cerebras den Decode-Schritt übernimmt. Weitere namhafte Inference-Kunden: Meta, Mistral AI, Perplexity, Notion, Cognition.
Die Risiken im S-1-Filing sind allerdings substanziell. 62 Prozent des 2025er-Umsatzes entfielen auf die Mohamed bin Zayed University of AI (MBZUAI) in den Vereinigten Arabischen Emiraten, weitere 24 Prozent auf G42 — zusammen 86 Prozent Kundenkonzentration auf eine einzige geopolitische Region. Die CFIUS-Prüfung von 2024, die den ursprünglichen IPO-Anlauf stoppte, ist zwar abgeschlossen, nachdem G42 seine Anteile in stimmrechtslose Aktien umwandelte. Aber das strukturelle Embargo-Risiko bleibt. Hinzu kommt die zirkuläre Deal-Architektur: OpenAI ist gleichzeitig Großkunde und (über Warrants) potenzieller Aktionär; Investoren wie Sam Altman, Greg Brockman, Ilya Sutskever und Adam D’Angelo halten persönliche Stakes. Wedbush-Analyst Bryson taxiert die Cluster-Bewertung als „squarely circular investment theme“.
Für SaaS-CTOs und CFOs ist das Signal eindeutig: Inferenz-Compute wird 2026 zur dominanten variablen Kostenposition in KI-nativen Produkten — und die Kapitalmärkte preisen das Wachstum dieser Kategorie auf 200-fachem Umsatzmultiple ein. Was das für die Inference-Ökonomie der Agentic-Ära bedeutet, untersuchen wir in der heutigen Reportage im Detail.
- TechCrunch — Cerebras raises $5.5B, then stock pops $108%, in the first huge tech IPO of 2026
- CNBC — Cerebras (CBRS) starts trading on Nasdaq after IPO
- Bloomberg — Cerebras CEO Feldman's Stake Hits $3.2 Billion in IPO
- Fortune — Cerebras stock surges in Nasdaq debut
- The Register — Cerebras' wafer-scale AI bet delivers blockbuster IPO
- HPCwire — Cerebras IPO Signals Growing Pressure on the GPU Scaling Model