Politik · KI-Ökonomie
OpenAI bietet Trump-Regierung offenbar 5 Prozent Firmenanteile an
Die Financial Times berichtet unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen, OpenAI habe der Trump-Regierung eine konkrete Zahl auf den Tisch gelegt: fünf Prozent der Unternehmensanteile. Bei der März-2026-Bewertung von 852 Milliarden Dollar entspräche das einem Gegenwert von etwa 42,6 Milliarden Dollar. Mehrere Medien — darunter CNBC, Business Standard und BeInCrypto — haben den FT-Bericht seither aufgegriffen und bestätigt, dass Sam Altman den Vorschlag persönlich in Gesprächen mit Präsident Trump, Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent eingebracht hat. Altmans Position bleibt dabei die gleiche wie schon in früheren Wochen: Eine finanzielle Beteiligung des Staates sei „der beste Weg, die durch Künstliche Intelligenz erzielten Gewinne mit der Öffentlichkeit zu teilen". Wichtig für die Einordnung: Ob die Regierung den Vorschlag tatsächlich annimmt, ist nach übereinstimmenden Berichten weiterhin offen — es handelt sich um ein Angebot, keine beschlossene Sache.
Wie wir in unserer Ausgabe vom 8. Juni berichteten (Artikel), verhandeln Washington und OpenAI schon seit Wochen über einen Mechanismus namens „Public Wealth Fund": OpenAI würde dem Staat Eigenkapital schenken statt verkaufen, sodass kein Steuergeld fließt, die Fondsrenditen aber als Dividenden an die Bürger gehen sollen — nach Vorbild des Alaska Permanent Fund, der Öleinnahmen an die Bevölkerung Alaskas ausschüttet. Neu seit dem 8. Juni ist die konkrete Prozentzahl, mit der die Verhandlungen offenbar in eine greifbarere Phase treten. Altmans größere Idee reicht dabei über OpenAI hinaus: Er schlägt vor, dass alle führenden US-KI-Entwickler jeweils fünf Prozent ihrer Anteile in einen gemeinsamen Staatsfonds einbringen. Wer konkret mitzieht, ist allerdings uneinheitlich berichtet — während einzelne Quellen Google und Meta als mögliche Teilnehmer nennen, gilt das als nicht unabhängig bestätigt, und Anthropic soll laut einem Bericht wegen der angespannten Beziehung zur Regierung in Sicherheitsfragen an eigenen Verhandlungen kein Interesse haben. xAI taucht bislang vor allem in Gegenvorschlägen auf, nicht als Teilnehmer der Altman-Initiative.
Die politische Reaktion fällt gespalten aus. Der demokratische Senator Bernie Sanders hält an seinem im Juni vorgestellten „American AI Sovereign Wealth Fund Act" fest und hebt den Einsatz deutlich an: eine einmalige 50-Prozent-Abgabe auf Aktienbestände von OpenAI, Anthropic und xAI, verbunden mit Stimmrechten und Aufsichtsratssitzen für den Bund — also echter Kontrolle statt bloßer Rendite-Beteiligung. Kritik kommt aber auch von rechts: Der frühere Trump-Berater Steve Bannon nennt die Fünf-Prozent-Verhandlungen ein Zeichen der „Verzweiflung" und fordert ebenfalls 50 Prozent. Dazwischen warnen Beobachter wie Nat Purser von Public Knowledge vor dem strukturellen Kern des Problems: Der Staat würde gleichzeitig Aktionär und Regulierer desselben Unternehmens — mit dem Anreiz, aufsichtsrechtlich milder durchzugreifen, um den Wert der eigenen Beteiligung zu schützen. Aus konservativer Warte kritisiert etwa Jennifer Huddleston vom Cato Institute den Eingriff selbst: Der Staat begebe sich in die Rolle, Marktgewinner auszuwählen.
Als Referenzpunkt dient der Blick auf 2025: Washington übernahm rund zehn Prozent an Intel (mit laut Trump vierfachem Wertzuwachs seither), 15 Prozent am Seltene-Erden-Förderer MP Materials und ließ sich an Nvidias und AMDs China-Chipverkäufen mit 15 bis 25 Prozent der Erlöse beteiligen. Diese Präzedenzfälle bleiben als politisches Muster relevant, sind aber strukturell nicht deckungsgleich: Bei Intel und MP Materials ging es um Rettungs- beziehungsweise Versorgungssicherheits-Deals mit angeschlagenen oder strategisch kritischen Unternehmen, bei den China-Chip-Erlösen um eine Exportlizenzgebühr. Eine Fünf-Prozent-Schenkung am derzeit wertvollsten und am schnellsten wachsenden KI-Labor der Welt wäre dagegen kein Krisen-, sondern ein Präventivgeschäft — mit dem erklärten Ziel, regulatorischen Druck aus Washington vorab zu entschärfen.
Für Unternehmen außerhalb dieses Zirkels ist die Stoßrichtung relevanter als die exakte Zahl. Sollte der Staat tatsächlich Miteigentümer eines dominanten KI-Anbieters werden, wächst die Sorge vor bevorzugter Behandlung bei Beschaffung, Regulierung und Standardsetzung — zulasten kleinerer Wettbewerber und internationaler Anbieter ohne vergleichbaren politischen Zugang. Für Kunden von OpenAI-Produkten bleibt der Effekt vorerst abstrakt, doch die Debatte zeigt, wie sehr sich die Frage „Wem gehört die KI?" von einer akademischen zu einer sehr konkreten Verhandlungsmasse entwickelt hat. Rechtlich ungeklärt ist zudem, wie eine Aktienschenkung mit OpenAIs komplexer Non-Profit-plus-Capped-Profit-Struktur überhaupt vereinbar wäre — ein Detail, das in keinem der bisherigen Berichte ausbuchstabiert wird.
- t3n — OpenAI soll Trump-Regierung 5 Prozent Anteile angeboten haben
- CNBC — OpenAI proposes U.S. government own 5% stake to address political blowback
- Business Standard — OpenAI discusses giving US govt 5% stake as Trump weighs public share in AI
- The Deep Dive — OpenAI Proposes Giving US Government a 5% Stake, FT Reports
- NOTUS — Senior U.S. Officials Eye Government Shares in AI Giants
- BeInCrypto — OpenAI Reportedly Floats Handing Washington a 5% Equity Slice