Infrastruktur · Rechenkapazität
Zehn Milliarden für ein Unternehmen, das es im Januar noch nicht gab
Am Dienstag hat ein Unternehmen namens Volta seine Existenz bekannt gegeben — und gleichzeitig einen Vertrag über zehn Milliarden Dollar. In der eigenen Mitteilung ist von einer „AI Lab Partnership“ die Rede, der Kunde wird nicht genannt. CEO Ricard Boada lehnte es ausdrücklich ab, ihn zu identifizieren. Bloomberg berichtet unter Berufung auf Personen, die mit der Sache vertraut sind, es handle sich um Anthropic. Anthropic wollte sich nicht äußern; Reuters vermerkt ausdrücklich, den Bericht nicht unabhängig verifiziert zu haben. Diese Einschränkung sollte man mitlesen: Bestätigt ist der Vertrag, nicht der Vertragspartner.
Die belegbaren Eckdaten sind trotzdem bemerkenswert. Der Vertrag läuft über sechs Jahre und startet in zwei Stufen, angepeilt sind der 31. Dezember 2026 und der 31. März 2027. Die Rechenleistung steht im norwegischen Tydal, auf einem Campus des Krypto-Mining-Konzerns Bitdeer. Bitdeer hat seinerseits parallel einen 16-Jahres-Mietvertrag über rund 4,7 Milliarden Dollar gemeldet — 121 Megawatt IT-Leistung bei etwa 133 Megawatt Anschlussleistung, vollständig für Nvidia-Beschleuniger konfiguriert. Verbaut werden soll Nvidias kommende Vera-Rubin-Generation, Technikpartner ist Dell. Der Strom kommt aus Wasserkraft.
Volta selbst wurde Anfang 2026 gegründet, von Ricard Boada und Sofia Gumuzio — beide zuvor in der Infrastruktursparte des Vermögensverwalters Brookfield. Das Unternehmen hat eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar von Andreessen Horowitz und Altimeter Capital eingesammelt, mit Nvidia und Michael Dell als weiteren Geldgebern, und wird mit 2,4 Milliarden Dollar bewertet. Dazu kommt ein fünf Milliarden Dollar schweres Programm, mit dem Volta seinen Kunden den Kauf der Beschleuniger vorfinanziert. Wer die Beteiligungsliste liest, sieht das Muster: Der Chiphersteller finanziert den Vermieter, der die Chips des Chipherstellers vermietet.
Für Anthropic wäre es der jüngste in einer außergewöhnlichen Serie. Im April kündigte das Unternehmen mit Google und Broadcom mehrere Gigawatt TPU-Kapazität ab 2027 an, wenige Wochen später mit Amazon bis zu fünf Gigawatt Trainium-Kapazität — verbunden mit der Zusage, über zehn Jahre mehr als 100 Milliarden Dollar bei AWS auszugeben. Im Mai mietete Anthropic das komplette Rechenzentrum Colossus 1 des Konkurrenten xAI in Memphis, worüber wir in unserer Ausgabe vom 7. Mai berichtet haben. Dazu kommen Zusagen gegenüber Microsoft und dem Anbieter Fluidstack. Ein Unternehmen, das Modelle verkauft, ist damit vor allem eines geworden: der größte Mieter von Rechenzentren der Welt.
Wie diese Verträge bezahlt werden, hat am selben Tag die Financial Times beschrieben. Danach hat Google gemeinsam mit Broadcom, Apollo Global Management, Blackstone, Morgan Stanley und mehreren umgewidmeten Krypto-Minern ein Finanzierungsgeflecht im Volumen von rund 200 Milliarden Dollar aufgebaut, um Anthropic mit TPU-Hardware zu versorgen. Zentrales Vehikel ist eine Zweckgesellschaft, die im Juni rund ein Gigawatt TPU-Kapazität für etwa 35 Milliarden Dollar erwarb und an Anthropic verleast; Broadcom garantiert dabei einen Großteil des Restwerts. In Googles Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026 stehen 43,8 Milliarden Dollar an Leasing-Garantien und 24,1 Milliarden Dollar an weiteren Zusagen. Der FT-Artikel selbst liegt hinter einer Bezahlschranke; die Zahlen stammen aus mehreren übereinstimmenden Zusammenfassungen und sollten als Berichtslage, nicht als geprüfte Bilanz gelesen werden.
Was heißt das für Unternehmen, die KI einkaufen? Zunächst nichts Dramatisches — die Preise pro Token sind zuletzt eher gefallen als gestiegen. Relevant wird die Konstruktion an einer anderen Stelle: Wer einen mehrjährigen Vertrag mit einem Modellanbieter schließt, schließt ihn mit einem Unternehmen, dessen Kostenbasis inzwischen zu einem erheblichen Teil aus langfristigen, nicht kündbaren Mietverpflichtungen besteht. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, Vertragslaufzeiten und Ausstiegsklauseln bewusster zu verhandeln als bei einem gewöhnlichen SaaS-Einkauf. Wie diese Schicht von Zwischenhändlern funktioniert und wo ihre Sollbruchstellen liegen, behandelt die Reportage dieser Ausgabe.
- TechCrunch — Anthropic signs $10B deal with AI cloud startup Volta
- DataCenterDynamics — Volta launches out of stealth, to lease capacity in Norway from Bitdeer
- GlobeNewswire — Bitdeer Announces $4.7 Billion, 16-Year AI/HPC Data Center Lease for Tydal, Norway Campus
- Yahoo Finance / Bloomberg — Nvidia, Dell Back AI Cloud Startup Volta at $2.4 Billion Value
- the decoder — Anthropic locks in $10 billion of compute from Volta
- Anthropic — Anthropic and Amazon expand collaboration for up to 5 gigawatts of new compute