Recht · Apple / OpenAI
Apple verklagt OpenAI: Hardware-Geschäft sei „bis ins Mark verrottet von gestohlenen Geheimnissen“
Apple hat am Freitag, den 10. Juli 2026, beim U.S. District Court for the Northern District of California Klage gegen OpenAI eingereicht. Beklagt sind neben den Rechtsträgern OpenAI Foundation und OpenAI Group PBC auch io Products — die 2025 für rund 6,4 Milliarden Dollar von OpenAI übernommene Hardware-Firma des früheren Apple-Design-Chefs Jony Ive — sowie zwei namentlich genannte Ex-Apple-Mitarbeiter: Tang Tan, heute Chief Hardware Officer bei OpenAI und zuvor 24 Jahre bei Apple zuletzt als VP of Product Design für iPhone und Apple Watch, sowie Chang Liu, acht Jahre Senior Systems Electrical Engineer bei Apple. Der Vorwurf lautet auf systematischen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen (Trade Secrets) und Vertragsbruch. Apple beschreibt das Vorgehen als „a coordinated pattern of misconduct at an institutional level" und wörtlich: „at every level, from members of its Technical Staff to its Chief Hardware Officer, and in coordination with business partners, OpenAI has been stealing Apple's trade secrets."
Konkret wirft Apple Tan vor, bei OpenAI-Recruiting-Gesprächen interne Apple-Projekt-Codenamen benutzt, Bewerber aufgefordert zu haben, Apple-Hardwarekomponenten zu Vorstellungsgesprächen mitzubringen, abwandernde Apple-Mitarbeiter zur Umgehung interner Sicherheitsprozesse angeleitet und gezielt nach Details zu unangekündigten Produkten gefragt zu haben. Liu soll einen Apple-Firmenlaptop nach seinem Weggang nicht zurückgegeben, damit Dutzende vertrauliche Hardware-Dokumente heruntergeladen und mit weiteren OpenAI-Bewerbern geteilt haben. In der Klageschrift heißt es zugespitzt, OpenAIs Hardware-Geschäft sei „rotten to its core by its illegal reliance on misappropriated trade secrets". Apple beziffert die Zahl ehemaliger eigener Mitarbeiter bei OpenAI auf rund 400 — eine Angabe aus der Klageschrift selbst, die unabhängig nicht überprüfbar ist. Ein Warnschreiben habe Apple bereits im Februar 2026 verschickt, ohne Reaktion von OpenAI.
OpenAI wies die Vorwürfe knapp zurück. Kommunikationsdirektor Drew Pusateri erklärte, man habe „no interest in other companies' trade secrets" und bleibe „focused on building innovative technology that empowers people everywhere" — eine ausführlichere juristische Erwiderung liegt bislang nicht vor. Wichtig zur Einordnung: Dies ist ein anderer Streit als jener aus dem Mai 2026, als Berichten zufolge OpenAI selbst eine Klage oder ein Breach-of-Contract-Schreiben gegen Apple wegen der aus seiner Sicht „vergrabenen" ChatGPT-Siri-Integration vorbereitete (siehe Die Inferenz vom 15. Mai). Apple betont in der aktuellen Klageschrift ausdrücklich, dass beide Konflikte getrennt zu behandeln seien; ob OpenAI die damals angekündigten Schritte je förmlich einleitete, ist öffentlich nicht bestätigt.
Der eigentliche Resonanzboden der Klage ist Ives io-Hardware-Projekt, das seit der Übernahme systematisch Apple-Personal abgeworben hat — zuletzt im Juni 2026 mit Paul Meade, Apples bisherigem Vision-Pro- und Smart-Glasses-Chef (siehe Die Inferenz vom 28. Juni). Parallel hat sich Apple auf der Produktebene ohnehin schon von OpenAI gelöst: Mit iOS 27 öffnete Apple Siri im Sommer 2026 für mehrere Anbieter gleichzeitig — Gemini, Claude, ChatGPT und Grok stehen seither als wählbare Backends zur Verfügung, die einstige OpenAI-Exklusivität ist damit endgültig Geschichte. Wie sich das Verhältnis der beiden Unternehmen von der gefeierten Partnerschaft 2024 bis zur heutigen Klage entwickelt hat, zeichnet die heutige Reportage im Detail nach.
Apple fordert eine Unterlassungsverfügung, die Rückgabe vertraulicher Materialien sowie Schadensersatz „in an amount to be determined at trial" — die Höhe ist also offen. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest, Beobachter rechnen mit einem mehrjährigen Verfahren, wie es aus früheren Tech-Patentkriegen bekannt ist. Für Unternehmen, die selbst aktiv Fachkräfte von Konkurrenten abwerben, ist der Fall eine Warnung: Je dichter und systematischer das Recruiting aus dem direkten Umfeld eines Rivalen erfolgt, desto größer das Risiko eines kostspieligen Rechtsstreits um Geschäftsgeheimnisse — unabhängig davon, wie das Verfahren am Ende ausgeht.
- TechCrunch — Apple sues OpenAI over alleged trade secret theft
- CNBC — Apple sues OpenAI alleging trade secret theft, says scheme was 'at every level'
- Bloomberg — Apple Sues OpenAI for Trade Secret Theft Over AI Hardware Designs
- Fortune — Apple accuses OpenAI, and former design star Jony Ive's io Products firm, of stealing hardware trade secrets
- Engadget — Apple calls OpenAI's hardware business 'rotten to its core' in trade secret theft lawsuit
- 9to5Mac — OpenAI responds to Apple's trade secret theft lawsuit
- NBC News — Apple sues OpenAI, two former employees for trade secrets theft
- TechCrunch — OpenAI is reportedly preparing legal action against Apple (14.5.2026)
- 9to5Mac — OpenAI poaches Apple Vision Pro and smart glasses chief (26.6.2026)