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Zuckerberg räumt ein: KI-Agenten liefern nicht, was er versprach
Am Donnerstag, dem 2. Juli, sagte Meta-CEO Mark Zuckerberg in einem internen Town-Hall-Meeting Sätze, die man von ihm selten hört: Die „Flugbahn der agentischen Entwicklung“ habe sich „in mindestens den letzten vier Monaten nicht so beschleunigt, wie wir es erwartet hatten“, und die Wetten, die der Konzern mit seiner neuen Organisationsstruktur eingegangen sei, „haben sich noch nicht erfüllt“. Laut einer Reuters vorliegenden Audioaufnahme räumte er zudem ein, die große Restrukturierung samt Massenentlassungen sei „nicht so sauber gewesen, wie sie hätte sein können“ — man habe sich beim Timing verkalkuliert. Immerhin: Zuckerberg äußerte die Erwartung, dass sich spürbare Vorteile aus den KI-Investitionen innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate zeigen sollten.
Der Kontext ist der im Frühjahr eingeleitete Umbau von Metas KI-Organisation: Rund 8.000 Stellen wurden gestrichen, während gut 7.000 Mitarbeiter in neue KI-fokussierte Einheiten wie „Agent Transformation“ versetzt wurden — mit dem Versprechen, dass Agenten-KI die Produktivität der verbleibenden Belegschaft massiv steigern werde. Über die menschlichen Kosten dieses Umbaus hatte diese Ausgabe bereits im Juni berichtet: Zwangsversetzte Ingenieure, die sich selbst „Draftees“ nennen, beschrieben ihre neue Rolle als Trainingsdaten-Zulieferer für Metas Modelle als „buchstäblich der Gulag“, während Zuckerberg bereits damals erstmals Fehler beim Umbau eingestand. Die jetzige Aussage ist eine direkte Fortsetzung dieser Selbstkritik — nur diesmal mit einer harten Zahl im Zentrum: vier Monate, in denen sich die versprochene Beschleunigung schlicht nicht eingestellt hat.
Die Börse reagierte prompt: Die Meta-Aktie fiel am Freitag um rund 5 Prozent und löschte damit einen Großteil des Kursgewinns vom Vortag wieder aus — am 1. Juli war das Papier um knapp 9 Prozent gestiegen, nachdem Bloomberg berichtet hatte, Meta wolle überschüssige KI-Rechenkapazität künftig als Cloud-Dienst an externe Kunden verkaufen. Analysten sind sich uneins, was das bedeutet: Gil Luria von D.A. Davidson deutete an, Meta könnte sich aus dem Frontier-KI-Rennen zurückziehen und ins Hintertreffen geraten; Colin Sebastian von Baird warnte, der Vorstoß ins Cloud-Geschäft könnte selbst ein Signal sein, dass die internen KI-Produkte nicht wie geplant skalieren. Jefferies-Analyst Brent Thill widersprach: Bei einer Auslastung von rund 65 Prozent sei der Verkauf ungenutzter Kapazität ein cleverer Weg, Infrastrukturinvestitionen in Umsatz zu verwandeln — kein Rückzugssignal.
Für Beobachter ist die Aussage deshalb bemerkenswert, weil sie zwei Erzählstränge zusammenführt, die seit Wochen parallel liefen: den harten menschlichen Preis der Restrukturierung und die Frage, ob die rund 145 Milliarden Dollar Infrastrukturausgaben, die Meta 2026 für KI einplant, überhaupt das versprochene Produktivitätswunder liefern. Zuckerbergs Zugeständnis entzieht der ursprünglichen Rechtfertigung der Entlassungen — KI werde die Arbeit der Gestrichenen übernehmen — zumindest vorläufig die empirische Grundlage. Ergänzend äußerte sich beim selben Town-Hall auch CTO Andrew Bosworth zum umstrittenen Mausbewegungs- und Tastatur-Tracking-Programm, das im Juni nach einem internen Datenleck pausiert worden war: Es seien keine Mitarbeiterdaten ins KI-Training eingeflossen, und sollte das Programm wieder aufgenommen werden, geschehe dies künftig auf Opt-in-Basis. Ob die von Zuckerberg für die nächsten drei bis sechs Monate versprochene Trendwende eintritt, dürfte die nächste Quartalszahl zeigen — bis dahin bleibt der Umbau ein teures Versprechen ohne belastbaren Beweis.
- TechCrunch — Mark Zuckerberg tells staff that AI agents haven't progressed as quickly as he'd hoped
- Reuters via Yahoo Finance — Exclusive: Zuckerberg says AI agent tech progressing slower than expected
- BigGo Finance — Zuckerberg Admits AI Agent Development Lags Expectations, Meta Shares Plunge Nearly 5%
- 24/7 Wall St. — Meta Platforms Jumps on Potential Plans to Sell AI Compute
- CNBC — Meta's push into cloud computing means Wall Street has to prepare for lower margins