Anthropic · Exportkontrolle
USA heben Exportkontrollen für Claude Fable 5 und Mythos 5 vollständig auf
Die Trump-Administration hat die Exportkontrollen für Anthropics beide Spitzenmodelle vollständig aufgehoben. Nach eigenen Angaben beginnt Anthropic ab Mittwoch, den 1. Juli 2026, den Zugang für Nutzer und Geschäftskunden weltweit wiederherzustellen — über Claude.ai, die API, Claude Code und Cloud-Partner. Damit fällt auch die letzte verbliebene Beschränkung: Während Mythos 5 bereits am 26. Juni für mehr als 100 ausgewählte US-Organisationen freigegeben wurde (wir berichteten in unserer Ausgabe vom 27. Juni), blieb Fable 5 bis jetzt komplett gesperrt. Commerce Secretary Howard Lutnick erklärte, die Regierung habe „over the past two weeks" eng mit Anthropic zusammengearbeitet, um Fable 5 zu prüfen und freizugeben — mit dem Ziel, „alignment across the US Government" herzustellen und „America's leadership in AI" zu stärken. Anthropic reagierte auf X mit den Worten: „We're grateful to our users for their patience, and to everyone who worked with us on redeploying the models."
Zur Erinnerung: Anthropic hatte Fable 5 und Mythos 5 am 9. Juni veröffentlicht. Drei Tage später eskalierte die Lage, als Amazon-Forscher einen Jailbreak fanden, der sich in nur drei Worten zusammenfassen lässt — „Fix this code" — und der Mythos 5 dazu brachte, gesperrte Informationen zu Softwareschwachstellen offenzulegen. Parallel unterrichtete NSA-Direktor General Joshua Rudd Senator Mark Warner über ein kontrolliertes Red-Team-Experiment mit dem Satz, das Modell habe „almost all of our classified systems" durchbrochen, „not in weeks, but in hours". Das US-Handelsministerium reagierte binnen Stunden mit einer Exportkontroll-Direktive nach dem Export Control Reform Act: Kein ausländischer Staatsangehöriger — auch nicht Anthropics eigene nicht-amerikanische Mitarbeiter — durfte die Modelle mehr nutzen. Da Anthropic keine Echtzeitfilterung nach Nationalität umsetzen konnte, schaltete das Unternehmen beide Modelle weltweit für alle Nutzer ab.
Die Freigabe kam nicht ohne Druck von außen. Mehr als 150 Cybersecurity-Fachleute — angeführt vom ehemaligen Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos — unterzeichneten einen offenen Brief an Lutnick und den National Cyber Director Sean Cairncross. Ihr Argument: Die Kontrolle habe den besten Modellen von den Verteidigern den Zugang genommen, ohne einen belastbaren Sicherheitsgewinn zu erzeugen, während chinesische Open-Weight-Modelle wie GLM 5.2 den US-Modellen ohnehin nur um Monate hinterherhinken. Stamos betonte gegenüber CNBC, Regeln müssten „based upon science" sein — und müssten, wenn überhaupt, gleichermaßen für OpenAI und Google gelten. Wichtig zur Einordnung: Stamos und die Mitunterzeichner protestierten gegen die Exportsperre selbst, nicht gegen die Freigabe der Modelle — ihre Position deckt sich also mit der jetzigen Entscheidung der Regierung. Als weiterer Faktor gilt der wachsende Wettbewerbsdruck durch asiatische KI-Anbieter, deren Modelle (etwa Fugu und Tulongfeng) in den drei Wochen der Sperre technologisch aufholen konnten.
Ganz bedingungslos fällt die Freigabe nicht aus: Anthropic hat sich laut Lutnick verpflichtet, Sicherheitsrisiken in den Modellen proaktiv zu identifizieren und zu beheben, bei künftigen Release-Protokollen mit der Regierung zu kooperieren und missbräuchliche Nutzung zu melden. Zusätzlich hält Anthropic an der bereits angekündigten Einführung von Identitätsprüfungen ab dem 8. Juli fest, mit denen Nutzer künftig ihre Staatsangehörigkeit per Ausweisdokument verifizieren können — ein Mechanismus, der der Regierung mehr granulare Kontrolle über den Zugang geben soll, ohne ganze Modelle abschalten zu müssen. Berichte über eine gestufte Zugangspriorisierung (Konzerne und Behörden zuerst, kleinere Entwickler und Forscher später) stammen bislang nur aus einzelnen Quellen und sind nicht durch mehrere unabhängige Berichte bestätigt — hier ist Vorsicht geboten. Unverändert bleiben die regulären Anthropic-Regionsbeschränkungen für nicht unterstützte Länder wie China bestehen, die mit der Exportkontroll-Episode nichts zu tun haben.
Für Unternehmen, die auf Fable 5 gewartet haben, endet damit eine dreiwöchige Phase der Planungsunsicherheit — Enterprise-Kunden können ihre Roadmaps ab sofort wieder auf Anthropics stärkstes öffentliches Modell stützen. Der Präzedenzfall bleibt jedoch bestehen: Wie unsere Berichterstattung vom 27. Juni zeigte, hat die Mythos-Episode bereits Nachwirkungen bei der Konkurrenz gezeigt — OpenAI schränkte den Rollout von GPT-5.6 auf Bitten des Weißen Hauses freiwillig ein. CEOs und Tech-Leads, die Frontier-Modelle in kritische Workflows einbauen, sollten diese Episode als Warnung verstehen: Ad-hoc-Interventionen der US-Regierung bei besonders leistungsfähigen Cybersecurity-Fähigkeiten sind nun ein etablierter Mechanismus — kein einmaliger Ausrutscher.
- CNBC — Anthropic says Trump admin has lifted export controls on Claude Fable 5 and Mythos 5
- Forbes — Trump Administration Lifts Export Controls On Anthropic's Mythos 5 And Fable 5 AI Models
- Axios — Trump administration lifts restrictions on Anthropic's Fable
- CNN Business — White House lifts export control on Anthropic that froze its most advanced models
- Tech Policy Press — Alex Stamos on Why the US Should Lift Its Fable and Mythos Export Ban
- Fortune — 'Fix this code.' The three words behind the U.S. government shutdown of Anthropic's Fable and Mythos