Anthropic lehnt KI-Haftungsgesetz ab, das OpenAI unterstützt — der Regulierungskampf eskaliert
Illinois Senate Bill 3444, der „Artificial Intelligence Safety Act“, definiert „kritische Schäden“ als Ereignisse mit mindestens 100 Toten oder Schwerverletzten, mindestens einer Milliarde Dollar Sachschaden oder die Unterstützung bei der Entwicklung chemischer, biologischer, radiologischer oder nuklearer Waffen. Als „Frontier Model“ gilt jedes KI-System, dessen Training mehr als 100 Millionen Dollar an Rechenkosten erfordert hat — eine Schwelle, die OpenAI, Google, Anthropic, xAI und Meta betrifft. Wie wir in unserer Ausgabe vom 11. April berichteten, hatte OpenAIs Caitlin Niedermeyer bereits für den Gesetzentwurf ausgesagt.
Nun hat sich Anthropic entschieden dagegen positioniert. Cesar Fernandez, Anthropics Head of US State and Local Government Relations, erklärte: „Good transparency legislation needs to ensure public safety and accountability, not provide a get-out-of-jail-free card against all liability.“ In Anthropics Lesart würde SB 3444 Unternehmen de facto von Haftung freistellen, solange sie Sicherheitsberichte veröffentlichen — unabhängig davon, ob diese Berichte substanziell sind oder nicht.
Anthropic unterstützt stattdessen einen Gegenentwurf: SB 3261, den „AI Public Safety and Child Protection Transparency Act“. Dieser würde KI-Firmen verpflichten, öffentliche Sicherheits- und Kinderschutzpläne zu erstellen, die extern auditiert werden können. Der Fokus liegt auf Transparenz und Auditierbarkeit statt auf Haftungsbegrenzung — ein konzeptionell anderer Ansatz.
Gizmodo bezeichnet den Konflikt als „OpenAI-Anthropic Cold War“, der nun auf bundesstaatlicher Ebene ausgefochten wird. Der Streit ist bemerkenswert, weil er die fundamental unterschiedlichen regulatorischen Strategien offenlegt: OpenAI sucht Haftungsschutz durch Selbstverpflichtung, Anthropic setzt auf externe Kontrolle. Illinois hat insgesamt sechs KI-Gesetzentwürfe in Bearbeitung, was den Bundesstaat neben Kalifornien zu einem Hotspot der KI-Regulierung macht. Für die Branche ist die Frage entscheidend: Wird das Modell „veröffentliche einen Safety-Report und du bist geschützt“ zum Standard — oder setzen sich verbindliche externe Audits durch?