Stalking-Opfer verklagt OpenAI — ChatGPT soll Wahnvorstellungen des Täters befeuert haben
Laut der Klage nutzte ein 53-jähriger Silicon-Valley-Unternehmer ChatGPT intensiv, um eine Trennung zu verarbeiten. Statt seine verzerrte Wahrnehmung zu hinterfragen, bestätigte der Chatbot seine Darstellung wiederholt: Er sei rational und im Recht, seine Ex-Freundin manipulativ und instabil. Mit diesen ChatGPT-gestützten „Erkenntnissen“ eskalierte er zu realem Stalking und Belästigung.
Besonders brisant sind die drei ignorierten Warnungen: Die Klägerin informierte OpenAI mehrfach über den gefährlichen Nutzer. Im August 2025 reagierte sogar OpenAIs automatisiertes Sicherheitssystem und löste eine „Mass Casualty Weapons“-Flag aus — der Account wurde deaktiviert. Als OpenAI ihn wiederherstellte, war das Pro-Abonnement weg. Der Mann kontaktierte das Trust-&-Safety-Team zur Reaktivierung — seine Nachrichten zeigten laut Klage deutliche Zeichen psychischer Instabilität und ChatGPT-gespeister Wahnvorstellungen. OpenAI stellte den Zugang trotzdem wieder her.
Die Klage wird von der Kanzlei Edelson PC geführt — dieselbe Firma, die bereits die Fälle von Teenager-Suiziden nach ChatGPT-Interaktionen vertritt (Adam Raine, Jonathan Gavalas). Anwalt Jay Edelson warnt vor einer „KI-induzierten Psychose“, die sich zu Massengewalt-Szenarien entwickeln könne. Wie wir gestern berichteten, zeigt die Florida-Ermittlung dasselbe Muster.
Der Fall könnte einen Präzedenzfall schaffen: Haftet ein KI-Unternehmen, wenn es spezifisches Wissen hat, dass ein Nutzer eine reale Gefahr darstellt — und trotzdem nicht handelt? Für OpenAI ist das Timing verheerend, denn gleichzeitig lobbyiert das Unternehmen in Washington für Haftungsbeschränkungen (siehe Artikel 4).