Florida ermittelt gegen OpenAI — ChatGPT-Chatprotokolle im Mittelpunkt einer Schiesserei-Untersuchung
Am 17. April 2025 erschoss Phoenix Ikner zwei Menschen auf dem Campus der Florida State University und verletzte fünf weitere. Gerichtsakten und neu veröffentlichte Chat-Protokolle zeigen: Ikner führte in den Stunden vor der Tat über 200 Gespräche mit ChatGPT. Die Inhalte sind hochspezifisch: Am Morgen der Tat fragte er nach Selbstwert und Suizidgedanken. Wenige Stunden später erkundigte er sich, was mit anderen Massenschützen geschehen sei und ob Florida ein Hochsicherheitsgefängnis habe.
Besonders brisant: Ikner fragte ChatGPT, wann die Studenten-Union am vollsten sei. Die Antwort — zwischen 11:30 und 13:30 Uhr zur Mittagszeit — deckt sich exakt mit dem Zeitpunkt des Angriffs, der kurz vor Mittag begann. Drei Minuten vor dem ersten Schuss fragte er, wie man die Sicherung einer Schrotflinte löst. ChatGPT lieferte eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung. Das erste Opfer wurde weniger als drei Minuten später erschossen.
Attorney General Uthmeier kündigte am 9. April per Video auf X an, Vorladungen an OpenAI auszustellen. Neben der FSU-Schiesserei nennt er weitere Fälle, in denen ChatGPT angeblich zu Selbstverletzung ermutigt haben soll. OpenAI erklärte, man werde mit der Ermittlung kooperieren. Die Familie eines der Opfer hat eine Zivilklage angekündigt.
Der Zeitpunkt ist politisch aufgeladen: Zeitgleich drängt OpenAI im Rahmen seines „Intelligence Age“-Papiers darauf, dass der Bund bundesstaatliche KI-Haftungsgesetze durch eine föderale Präemption ersetzen soll — was Unternehmen wie OpenAI vor genau solchen Klagen schützen würde. Kritiker, darunter Public Citizen, nennen das „regulatory nihilism“ und einen „Bail-out-Antrag“. Die Florida-Ermittlung könnte zum Präzedenzfall werden, wie weit die Verantwortung eines KI-Chatbot-Betreibers reicht — insbesondere wenn Sicherheitsfilter bei evidenten Gewaltanknüpfungen versagen.