OpenAI · Musk-Trial
Altman vor Gericht: «Musk wollte 90 Prozent» und ein «hair-raising»-Erbschaftsmoment
Altman trat um 9 Uhr Pazifischer Zeit als 17. Zeuge der Klägerseite in den Saal des U.S. District Court for the Northern District of California. Der schwarze Anzug, die ruhige Stimme und das demonstrative Lächeln in Richtung Geschworener kontrastierten scharf zu Musks energischer Auftritt zwei Wochen zuvor. Auf die einleitende Frage nach seinem Selbstbild antwortete Altman, er halte sich für «einen ehrlichen und vertrauenswürdigen Geschäftsmann» — die Direktantwort auf den seit Tagen aufgehäuften Vorwurf eines «consistent pattern of lying», den ehemalige Boardmitglieder, Mira Murati und Greg Brockman gegen ihn vorgebracht hatten (wie wir am 12. Mai berichteten).
Die zentrale Aussage des Tages betraf Musks frühe Kontrollansprüche an OpenAI. Altman nannte unter Eid eine konkrete Forderung aus dem Jahr 2017: «Eine frühe Zahl, die Mr. Musk in den Raum warf, war, dass er anfänglich 90 Prozent des Equity haben solle.» Ergänzend beschrieb er einen Vorgang aus derselben Zeit, den er als «besonders haarsträubend» bezeichnete: Mehrere Mitgründer hätten Musk gefragt, was geschehen würde, wenn er die Mehrheitskontrolle innehätte und dann sterben würde — Musks Antwort sei der Wunsch gewesen, die Anteile an seine Kinder zu vererben. Diese Aussage steht in Kontrast zu Musks eigener öffentlicher Mars-City-Begründung aus Tag 7, in der er die Mehrheitskontrolle mit der Notwendigkeit von Querfinanzierung für SpaceX-Großprojekte rechtfertigte.
Den Kernvorwurf der Klage — Altman habe Musks gemeinnützige Vision verraten und die Charity ausgehöhlt — kehrte Altman explizit um. Musk habe OpenAI «zweimal zu töten versucht»: einmal durch den überraschenden Austritt aus dem Board Anfang 2018, dem ein Versuch der Übernahme von OpenAI in Tesla vorausgegangen sei, und ein zweites Mal durch die Gründung von xAI im Juli 2023 mit gezieltem Talent-Poaching, anschließenden öffentlichen Diffamierungskampagnen und mehreren parallelen Klagen. Die SpaceX-Brücke zu xAI mit der angekündigten Multi-Gigawatt-Rechenkapazität im All bezeichnete Altman als «business interference auf höchstem Niveau».
Bei der Cross-Examination durch Musks Anwalt Marc Toberoff musste Altman sich mehrfach Fragen zu früheren öffentlichen Aussagen stellen — insbesondere zu seiner Behauptung, das Board habe von der Microsoft-Investment-Struktur 2019 «vollständig informiert» worden sein. Toberoff legte interne E-Mails vor, in denen Altman gegenüber Brockman im November 2018 von einem «schlanken Briefing» für Holden Karnofsky und Reid Hoffman gesprochen hatte. Altman erkannte den Wortlaut an, betonte aber, das Board habe «alle entscheidenden Eckpunkte» schriftlich vorgelegt bekommen. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers untersagte mehrere von Toberoffs Fragen zu KI-Sicherheitsrisiken mit der inzwischen mehrfach wiederholten Formel: «This is not a trial on the safety risks of artificial intelligence.»
Für die Marktbeobachter sind drei Datenpunkte aus dem Tag entscheidend. Erstens: Altman bleibt bis Donnerstag, 14. Mai, im Stand — Day 2 und 3 enthalten Fragen zur For-Profit-Konversion und zur Sutskever/Murati-Episode vom November 2023. Zweitens: Phase 2 des Verfahrens mit den eigentlichen «Remedies» beginnt am 18. Mai vor der Richterin allein, ohne Geschworene; die Haftungsfrage soll bis 21. Mai entschieden sein. Drittens: Polymarket bewegte sich am Dienstagabend bei 41 Prozent Musk-Sieg und 13 Prozent Settlement über 10 Milliarden USD — ein leichter Rückgang gegenüber Wochenbeginn, der Altmans Auftritt als netto-positiv für OpenAI interpretiert. Für CEOs und Boards mit Anbieter-Konzentration auf OpenAI bleibt die strategische Frage offen: An die 200 Milliarden USD Investorenzusagen sind explizit an die For-Profit-Struktur gekoppelt; ein Sieg Musks würde die Re-Kapitalisierung politisch und finanziell schwierig machen, ein Settlement wäre für viele Anleger der teurere, aber planbarere Pfad.
- CNBC — OpenAI trial updates: Sam Altman testifies
- Fortune — Altman defends himself as honest businessperson
- Al Jazeera — Altman: Musk wanted 90 percent of OpenAI
- NBC News — Altman: Musk tried to kill OpenAI twice
- NPR — Altman testimony begins in Musk trial
- TechCrunch — Musk mulled handing OpenAI to his children