Prozess · Musk vs. OpenAI
Tag 7 in Oakland: Shivon Zilis enthüllt Musks Versuch, Altman zu Tesla zu locken
Es war der Tag, der Musks zentrales Narrativ — er klage aus Treuhandpflicht, weil OpenAI seine Non-Profit-Mission verraten habe — am stärksten beschädigte. Shivon Zilis, Neuralink-Executive, ehemaliges OpenAI-Boardmitglied bis 2023 und Mutter von vier Kindern Musks, trat am Donnerstag in Oakland in den Zeugenstand. Sie beschrieb sich selbst als „Brücke" zwischen Musk und der OpenAI-Führung um Altman, Brockman und Sutskever — und legte unter Eid offen, dass Musk noch im OpenAI-Board versucht hatte, Sam Altman zu Tesla zu holen, um dort ein neues KI-Labor aufzubauen, inklusive Tesla-Boardsitz. Der Vorstoß fällt in die Phase 2017/Anfang 2018, als Musk laut Zilis intern den Schluss zog, OpenAI werde AGI nicht erreichen.
Brisant ist eine zweite Enthüllung: Musk habe den damaligen OpenAI-Forschungschef Andrej Karpathy gebeten, „eine Liste der Top-OpenAI-Leute zum Abwerben" zu erstellen. Im Februar 2018, als Musk seine Mehrheitsforderung nicht durchsetzen konnte und OpenAI verließ, schrieb Zilis ihn an, ob sie nun Distanz halten solle. Musks zitierte Antwort: „Close and friendly but we are going to actively try to move three or four people from OpenAI to Tesla. More than that will join over time but we won't actively recruit them." Auf die Frage nach ihrer Loyalität antwortete Zilis: „I had an allegiance to the best outcome — AI for humanity." Sie bestätigte zudem, in den Strukturdiskussionen von 2017/18 sei nie davon die Rede gewesen, die Non-Profit durch eine For-Profit zu ersetzen — was Musks Anwälte als Stützpfeiler ihres Treuhandbruch-Vorwurfs anführen werden.
Wir haben in unserer Ausgabe vom 8. Mai über Tag 6 (Brockmans „I actually thought he was going to hit me"-Episode) und Tag 7 (Mira Muratis Videodeposition mit dem Vorwurf „Chaos und Täuschung") berichtet. Die Zilis-Aussage verschiebt das Bild weiter zu OpenAIs Gunsten — denn der Karpathy-Poach-Listen-Auftrag legt nahe, dass Musk OpenAI nicht aus Treuepflicht, sondern aus Wettbewerbslogik herausfordert.
Parallel haben OpenAIs Anwälte einen Email-Thread aus dem Zeitraum August 2017 bis Januar 2018 zu den Akten gelegt, an dem Microsoft-CEO Satya Nadella, CFO Amy Hood, AI-Chef Harry Shum und Chief Scientific Officer Eric Horvitz beteiligt waren. Auslöser war Altmans Bitte an Nadella nach hunderten Millionen Dollar Azure-Compute-Rabatt für das Dota-2-Projekt. Die internen Reaktionen waren ernüchtert. Nadella schrieb: „Overall I can't tell what research they are doing and how if shared with us it could help us get ahead." Shum ergänzte: „I visited OpenAI about a year ago, and was not able to see any immediate breakthrough in AGI." Horvitz wurde am deutlichsten: „My worst case scenario is having them ditch Azure for AWS, as Kevin says bad-mouth then land with some big new innovation that is shared with our competition." Microsoft hatte zuvor rund 60 Millionen Dollar Compute-Wert für 10 Millionen Dollar bereitgestellt — ein historischer Rabatt, getrieben primär von der Sorge, OpenAI könnte zu Amazon abwandern.
Das Material liefert eine bemerkenswerte historische Pointe: Microsofts spätere Multi-Milliarden-Investments in OpenAI waren zumindest in der Frühphase nicht von technischer Überzeugung getragen, sondern von einer Anti-Amazon-Defensivstrategie. Für CTOs in SaaS-Unternehmen, die Microsoft- oder Anthropic-Verträge gerade verlängern, ist das ein nützlicher Reminder: Hyperscaler-Bindungen entstehen oft aus geopolitisch-strategischer Logik, nicht aus rein technischer Überlegenheit der Modelle.
An den Prediction Markets ist die Bewegung deutlich. Auf Kalshi steht Musks Siegeschance bei 36–37 Prozent — der Tiefstand seit Prozessbeginn. Polymarket sieht „Musk wins case" bei 43 Prozent, ein 10-Mrd-USD-Plus-Settlement bei 16 Prozent. Vor Musks eigener Aussage am 28. April hatten dieselben Märkte ihm noch 53,5 Prozent Siegchance gegeben. In der laufenden Liability-Phase werden noch erwartet: Ilya Sutskever (~30 Min), Satya Nadella (~1 Stunde) sowie Sam Altman selbst (mehr als 2 Stunden, Aussage 11.–13. Mai). Phase 2 — die Remedies-Verhandlung — beginnt am 18. Mai. Musk fordert die Absetzung von Altman und Brockman, Rückabwicklung der For-Profit-Umwandlung von 2025 sowie bis zu 134 Mrd. USD Schadensersatz. Würde Richterin Yvonne Gonzalez Rogers der Rückabwicklung folgen, wären über 200 Mrd. USD an Investorenzusagen von Microsoft, Amazon, SoftBank und Nvidia in Gefahr — der eigentliche strategische Hebel des Verfahrens.
- MIT Technology Review — Musk v. Altman week 2
- CNBC — Zilis says Musk offered Altman Tesla board seat
- Wired — Microsoft Executives Discuss OpenAI
- The Verge — Microsoft worried OpenAI would run off to Amazon
- Bloomberg — Management styles under fire at OpenAI trial
- Fortune — Wer ist Shivon Zilis
- Polymarket — Will Elon Musk win his case