Datenschutz · OpenAI
OpenAI aktiviert Marketing-Cookies per Default — und schreibt erstmals offiziell auf, wofür ChatGPT-Daten an Werbepartner gehen
Der Schritt ist die nächste Stufe der ChatGPT-Werbe-Strategie, deren erste Phase wir in unserer Reportage vom 30. April ausführlich beschrieben haben — vom 100-Mio-USD-ARR-Sprung in sechs Wochen bis zum Self-Serve-Werbeportal. Was am 30. April neu hinzukommt, ist die rechtliche Schiene: Eine US-Privacy-Policy, die erstmals festhält, was OpenAI mit Werbedaten tatsächlich tut. Die Adweek-Analyse formuliert es nüchtern: „OpenAI ist jetzt im Geschäft, Nutzerdaten mit Werbekunden zu teilen.“
Die konkreten Mechanismen sind drei: Erstens empfängt OpenAI von Werbekunden Conversion-Daten — also Information, ob ein Nutzer nach einer Anzeige tatsächlich gekauft, gebucht oder sich registriert hat. Zweitens sendet OpenAI Identifier (E-Mail-Adressen, Cookie-IDs) an Werbeplattformen wie Meta oder Google, damit diese prüfen können, welche Nutzer eine bestimmte Aktion abgeschlossen haben — etwa eine Codex-Anmeldung nach einem Instagram-Post. Drittens bewirbt OpenAI eigene Produkte über Drittwebsites mit Hilfe genau dieser Tracking-Architektur. Marketing-Cookies sind dabei in der Free-Stufe per Default „ein“ — Nutzer müssen aktiv über Settings > Data Controls > Marketing Privacy opt-out wählen.
OpenAIs Beteuerungen sind präzise abgestuft. Conversations bleiben „nicht mit Werbepartnern geteilt“ — also der Inhalt der Chats. Was mit Werbern geteilt wird, sind Identifier, Nutzungsmuster und Geräteinformationen. Der Unterschied ist juristisch sauber, aber praktisch bedeutsam: Wenn OpenAI weiß, dass ein bestimmter Nutzer Codex sucht, weil er eine entsprechende Werbung gesehen hat, dann fließt diese Information in die Werbe-Targeting-Schicht zurück — ohne dass der Chat-Inhalt offengelegt wird. PPC.land bemerkt: Die Policy ist die erste, in der „in verbindlicher Rechtssprache“ steht, dass OpenAI Kaufdaten von Werbekunden empfängt — eine Kategorie, die in der Industrie als Customer Match oder First-Party-Data-Collaboration bezeichnet wird.
Für deutsche und EU-Nutzer ist die Lage anders. Die EU/EWR/UK-Privacy-Policy unterscheidet sich von der US-Variante; für alle, die unter DSGVO fallen, gilt das Opt-in-Prinzip. Die Frage ist, wie OpenAI das praktisch umsetzt. Hinweise aus dem Cookie-Banner bei chatgpt.com zeigen, dass deutsche Nutzer einen Cookie-Hinweis bekommen — die Marketing-Cookies sind aber bei vielen Tests vorausgewählt. Die irische DPC (Datenschutzbehörde) und der bayerische Landesdatenschutzbeauftragte haben Mitte April öffentlich angekündigt, OpenAIs neue Cookie-Architektur zu prüfen — Verfahren laufen, Ergebnisse werden für H2 2026 erwartet.
Für Tech-Entscheider in SaaS-Unternehmen sind drei Implikationen relevant. Erstens: Der Privacy-Compliance-Bereich für KI-Tools wird komplexer, nicht einfacher. Wer ChatGPT Enterprise einsetzt (und dort gilt: keine Werbung, keine Datenweitergabe), muss intern erklären können, warum die Free-Stufe nicht zur Verfügung steht. Zweitens: Die DSGVO-Konformität der OpenAI-Cookie-Architektur ist nicht final geklärt — wer in regulierten Branchen (Finance, Healthcare, Public Sector) tätig ist, sollte aktive Risiko-Bewertungen durchführen statt auf eine Klärung zu warten. Drittens: Das Geschäftsmodell-Signal ist klar: KI-Assistenten werden nicht durch Abos profitabel, sondern durch Discovery- und Werbeumsätze. Wer mit Marketing-Daten handelt, wird zur Tracking-Infrastruktur — und KI-Anbieter sind keine Ausnahme mehr.
- Search Engine Land — OpenAI updates privacy policy as ads expand in ChatGPT
- Adweek — OpenAI is Now Sharing Its Users' Data With Advertisers
- PPC.land — OpenAI's privacy policy now lets advertisers send purchase data
- DNYUZ — OpenAI Enables Marketing Cookies by Default for Free ChatGPT Users
- Shopifreaks — OpenAI updates U.S. privacy policy to formalize data-sharing
- OpenAI — US Privacy Policy