Finanzierung · Anthropic
Anthropic vor 50-Milliarden-Runde bei 900 Milliarden Dollar Bewertung — und überholt damit OpenAI
Die Sequenz ist atemberaubend. Februar 2026: Anthropic schließt eine Runde bei 380 Milliarden Dollar Bewertung. April: Bewertungs-Indikationen bei 800 Milliarden auf dem Sekundärmarkt (TechCrunch berichtete am 15.04.). 24. April: Google sagt bis zu 40 Milliarden Dollar Investment zu (10 Mrd. sofort bei 350-Mrd-Bewertung, 30 Mrd. an Performance-Targets gebunden). Drei Tage zuvor hatte Amazon sein Anthropic-Investment auf 25 Milliarden Dollar ausgeweitet, mit ~100 Milliarden Cloud-Verpflichtung. Und nun, am 29. April, berichten TechCrunch und Bloomberg parallel: 50 Milliarden Dollar bei 850-900 Milliarden Bewertung, Entscheidung bei einer Vorstandssitzung im Mai.
Der Treiber sind nicht Spekulationen, sondern Geschäftszahlen. Anthropic hat seinen annualisierten Umsatz von rund 9 Milliarden Dollar Ende 2025 auf 30 Milliarden Anfang April 2026 verdreifacht — eine Wachstumsrate, die in der Software-Geschichte beispiellos ist. TechCrunch berichtet, der aktuelle Run-Rate liege bereits näher an 40 Milliarden Dollar. Ein großer Teil davon kommt aus Anthropics Coding-Produkten: Claude Code erreichte bereits im November 2025 eine annualisierte Run-Rate von einer Milliarde Dollar — sechs Monate nach allgemeiner Verfügbarkeit, schneller als jedes andere Enterprise-Software-Produkt im Vergleich. Die Zahl der Enterprise-Kunden, die mehr als eine Million Dollar pro Jahr ausgeben, hat sich seit der Series-G-Runde von 500 auf über 1.000 verdoppelt.
Bemerkenswert: Anthropic ist bei der Bewertung nun knapp über OpenAI. OpenAIs Februar-Runde lag bei 852 Milliarden. Während OpenAI mit einem Umsatz-Miss kämpft (siehe unsere Ausgabe vom 29. April zum Stress-Test der KI-Bubble) und bei rund 24-25 Milliarden ARR steht, hat Anthropic in weniger als 18 Monaten seit der ersten kommerziellen Skalierung den Umsatzsprung geschafft, der OpenAI seit ChatGPTs Start drei Jahre kostet.
Die strategische Architektur ist auch interessant. Anthropic ist jetzt parallel an drei Hyperscaler gebunden — Amazon (Trainium), Google (TPU) und Microsoft (Azure) — während OpenAI über die Microsoft-Restrukturierung vom 27. April erst kürzlich aus seinem Cloud-Lock-in befreit wurde. Anthropic kann daher Compute-Kapazitäten zwischen Anbietern arbitrieren, was im aktuellen Capacity-Crunch (siehe Artikel 2) ein massiver Vorteil ist. Die in der Vereinbarung mit Google und Broadcom zugesagten 3,5 Gigawatt TPU-Kapazität ab 2027 plus rund 1 Gigawatt Google-Compute für 2026 sichern Anthropic Trainings- und Inferenz-Ressourcen, die viele Konkurrenten nicht haben.
Was bedeutet das für SaaS-Entscheider? Erstens: Die Annahme, OpenAI sei der unangefochtene KI-Marktführer, ist obsolet. Wer heute Vendor-Strategie für KI macht, muss Anthropic als gleichberechtigten oder sogar führenden Anbieter in der Bewertung mitführen — speziell für Coding- und agentische Workflows, in denen Claude die SOTA-Position hält (siehe Benchmarks aus unserer Ausgabe vom 25. April). Zweitens: Die Hyperscaler-Diversifikation Anthropics ist ein architektonisches Argument für Multi-Cloud-AI-Strategien — wer nur Azure-OpenAI-Verträge hat, ist im aktuellen Kapazitätsengpass schlechter positioniert. Drittens: Die 900-Mrd-Bewertung ist nicht nachhaltig, wenn der ARR-Sprung nicht in echte Profitabilität gedreht werden kann. Anthropic gibt für Trainings-Compute weiterhin viel Geld aus — die kommenden 6 bis 12 Monate werden zeigen, ob die Marge mit dem Umsatz mitwächst oder eine OpenAI-ähnliche Cash-Burn-Falle entsteht.
- TechCrunch — Sources: Anthropic could raise a new $50B round at a valuation of $900B
- Bloomberg — Anthropic Considering Funding Offers at Over $900 Billion Value
- CNBC — Anthropic in talks with investors to raise funds at $900 billion valuation
- SaaStr — Anthropic Just Passed OpenAI in Revenue. While Spending 4x Less to Train Their Models