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Neun Tage nach dem Beinahe-Kollaps kauft sich Aschenbrenner in den schwersten Maschinenbau der Welt ein
Am 8. August löste Bloomberg ein Rätsel auf, das seit Tagen durch die Finanzpresse geisterte: Der Hedgefonds Situational Awareness hatte eine große, nicht näher bezeichnete Privatmarkt-Investition getätigt. Der Empfänger ist Source Foundry, ein Startup, das Belichtungsmaschinen für die Chipfertigung bauen will. 400 Millionen Dollar sind jetzt geflossen, zu bereits zugesagten 100 Millionen — zusammen eine halbe Milliarde in ein Unternehmen, das etwas mehr als ein Jahr alt ist.
Diese Meldung verlangt zuerst eine Präzisierung in eigener Sache. Wir haben an dieser Stelle am 31. Juli über denselben Fonds unter der Überschrift geschrieben, der bekannteste KI-Fonds der Welt sei erledigt. Der Mechanismus, den wir damals beschrieben haben, trifft weiterhin zu: Nicht die These war falsch, sondern der vierfache Hebel. Zu weit ging das Wort „erledigt“. Erledigt war das gehebelte Aktienbuch: Am Morgen des 30. Juli ging das gesamte öffentliche Portfolio in einer einzigen Transaktion an Ken Griffins Citadel, nach Berichten mit einem Abschlag von zehn Prozent, um Nachschussforderungen der Banken zu bedienen. Der Fonds selbst wurde nicht abgewickelt. Die privaten Beteiligungen — darunter die Anteile an Anthropic — blieben unangetastet, weil sie gar nicht beleihbar waren und deshalb auch nicht zwangsverwertet werden konnten.
Die Zahlen zum Juli sind trotzdem brutal. Nach einem Investorenbrief lag der Fonds im Juli unauditiert bei minus 67 Prozent — und dank der vorangegangenen Rendite im Jahresverlauf immer noch bei plus 80 Prozent. Mike Novogratz von Galaxy Digital nannte den Vorgang den „most catastrophic hedge fund blowup“ seiner Laufbahn. Wichtiger als die Rendite ist die Konsequenz, die Aschenbrenner daraus gezogen hat und die er seinen Investoren schriftlich mitteilte: Der Fonds arbeite künftig „on a fully paid-for basis from now on, thus eliminating all margin or liquidation risks“. Ohne Hebel, ohne Nachschusspflicht. Wer so umbaut, kann nicht mehr durch einen Kursrutsch aus seinen Positionen geworfen werden — er kann sie aber auch nicht mehr schnell zu Geld machen.
Genau in dieses Muster passt Source Foundry. Das Unternehmen wurde im Juli 2025 in Kalifornien eingetragen, gegründet von den Stanford-Absolventen Abdulmalik Obaid und Joe Burg. Es entwickelt Anlagen und Software für die Halbleiterfertigung mit Schwerpunkt Lithografie und zielt damit auf jenes Verfahren, das den Takt der gesamten Chipindustrie vorgibt: EUV, die Belichtung mit extrem ultraviolettem Licht. Sequoia Capital gehört zu den Geldgebern; mehrere Berichte nennen eine kürzlich abgeschlossene Runde mit einer Bewertung von rund fünf Milliarden Dollar. Sequoia-Partnerin Stephanie Zhan begründet das Investment mit einem Missverhältnis, das sie die „chip wall“ nennt: „AI demand is growing on an exponential software curve, while semiconductor manufacturing capacity is growing on a linear industrial-equipment curve.“
Die Diagnose ist unstrittig. Die Schlussfolgerung ist es nicht. Denn was Source Foundry angreift, ist das mit Abstand am besten verteidigte Monopol der Weltwirtschaft. Der niederländische Konzern ASML ist der einzige Hersteller von EUV-Belichtungsanlagen. Firmenchef Christophe Fouquet hat im Mai in einem Interview mit TechCrunch beschrieben, warum das so ist, und die Zahlen sind ernüchternd für jeden Herausforderer: „We had our first EUV picture 30 years ago, and we still needed 20 more years of hard work to turn it into a manufacturing system.“ Und: „The only reason ASML could build an EUV machine is because 80% of it already existed, based on previous knowledge and products built over time. We had to solve one problem — getting EUV light — and that alone took 20 years.“ Eine EUV-Anlage besteht aus Bauteilen von mehr als 800 Zulieferern; allein die Zeiss-Optik, deren Spiegel auf Atomlagen genau glatt sein müssen, brauchte 15 Jahre Entwicklung. ASML gibt rund 4,5 Milliarden Euro pro Jahr für Technologieentwicklung aus.
Source Foundry ist nicht der erste Versuch. Das ebenfalls von Thiel-Umfeld finanzierte Startup Substrate hat über 100 Millionen Dollar bei einer Bewertung von über einer Milliarde eingesammelt und behauptet dasselbe. Fouquets Kommentar dazu ist der schärfste Satz, den man einem Lithografie-Startup entgegenhalten kann: „Wanting to have it and having it — that's still a huge difference. Being able to make an image is a starting point, but you need to make that image in very high quantity, at very low cost, at high speed, and with nanometer accuracy.“ Er fügte hinzu: „I've seen a lot of claims. I've seen a few pictures.“
Was sich derzeit nicht überprüfen lässt, ist erheblich. Source Foundry arbeitet im Stealth-Modus: Es gibt keine öffentliche technische Dokumentation, keine vorgeführte Maschine, keinen genannten Kunden, keine Pilotlinie. Ob die 400 Millionen die komplette Finanzierungsrunde darstellen oder nur einen Teil, geht aus den Berichten nicht einheitlich hervor; die Bewertung von fünf Milliarden stammt aus Sekundärberichterstattung, nicht aus einer Unternehmensmitteilung. Situational Awareness hat auf Anfragen nicht geantwortet. Selbst Aschenbrenners Alter wird in den Quellen unterschiedlich mit 24 und 25 Jahren angegeben. Wer diese Investition bewerten will, bewertet also im Wesentlichen ein Versprechen und einen Lebenslauf.
Für Leser, die keine Hedgefonds betreiben, liegt der interessante Teil woanders. Aschenbrenners ursprüngliche These lautete, der KI-Ausbau werde Chips, Speicher, Rechenzentren und Energie in historisch beispielloser Weise verknappen — und er hat diese These über gehebelte Aktienpositionen gehandelt. Das ist im Juli auseinandergeflogen, nicht weil die These falsch war, sondern weil der Zeithorizont des Hebels kürzer ist als der Zeithorizont der These. Der neue Ansatz ist die konsequente Antwort darauf: nicht mehr auf den Engpass wetten, sondern ein Stück davon besitzen. Nur hat er sich damit einen Widerspruch eingehandelt, den er selbst benannt hat. Sein Essay datiert AGI auf 2027/28. Eine funktionierende Belichtungsanlage von null auf Serienreife zu bringen, hat beim einzigen Unternehmen, dem es je gelungen ist, ein halbes Jahrhundert gedauert.
- TechCrunch — Embattled hedge fund Situational Awareness invests $400M in chip startup Source Foundry
- TechCrunch — ASML CEO Christophe Fouquet on his company's monopoly: no one is coming for us
- Cryptopolitan — After a 67% hit, Situational Awareness changes its AI bet
- The Daily Hodl — Hedge Fund Situational Awareness Commits $500,000,000 to Source Foundry Chip Startup
- Simply Wall St — What Does ASML Holding Face From A $5 Billion New Rival?