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Fünf Milliarden und zwei Gigawatt: AMD steigt bei Anthropic ein
Die Ankündigung kam am 22. Juli und ließ die AMD-Aktie deutlich steigen: AMD und Anthropic schließen eine strategische Partnerschaft, die zwei Bausteine verbindet. Erstens eine Eigenkapitalinvestition von bis zu 5 Milliarden Dollar, die AMD in das privat gehaltene KI-Unternehmen steckt. Zweitens ein Liefervertrag, über den Anthropic bis zu 2 Gigawatt Rechenkapazität mit AMDs Instinct-Beschleunigern der MI450-Serie bezieht — konkret dem Modell MI455X, verbaut in AMDs Helios-Rackscale-Systemen samt EPYC-„Venice“-Prozessoren, Pensando-Netzwerktechnik und der ROCm-Software. Das erste Gigawatt soll in der ersten Jahreshälfte 2027 ans Netz gehen. heise beziffert das Volumen auf ein bis zwei Millionen GPU-Beschleuniger plus einige hunderttausend Server-CPUs; diese Stückzahlen stammen allerdings allein aus der heise-Berichterstattung, nicht aus der offiziellen Mitteilung.
AMD-Chefin Lisa Su sprach davon, man sei begeistert, die Partnerschaft zu vertiefen und „AMD Helios im Gigawatt-Maßstab“ auszurollen. Anthropics Mitgründer und Compute-Chef Tom Brown formulierte die Gegenrechnung nüchtern: Zugang zu Rechenleistung sei zentral, um Claude an der Spitze zu halten und die Kundennachfrage zu bedienen. Teil der Vereinbarung ist eine mehrjährige Engineering-Kooperation: Anthropic optimiert seine Claude-Modelle für die AMD-Chips und hilft bei der Weiterentwicklung von ROCm — jener Software-Schicht, deren Rückstand gegenüber Nvidias CUDA lange als AMDs größte Schwäche galt. Umgekehrt führt AMD Claude konzernweit in Entwicklung und Produktarbeit ein.
Interessant ist der Vergleich mit AMDs OpenAI-Deal vom Oktober 2025. Damals sicherte sich OpenAI 6 Gigawatt AMD-Kapazität und erhielt als Anreiz Bezugsrechte auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien zum symbolischen Preis — bei voller Ausübung rund zehn Prozent des Konzerns. Diesmal läuft es umgekehrt: Nicht der Kunde bekommt Anteile am Chiphersteller, sondern der Chiphersteller kauft sich beim Kunden ein. Gemeinsam ist beiden Konstruktionen die zirkuläre Grundfigur, die derzeit die halbe Branche trägt: Der Lieferant finanziert mit, was der Kunde bei ihm bestellt. Wie wir in unserer Ausgabe vom 22. Juli anhand der Nikkei-Analyse zu bilanzfernen KI-Schulden berichteten, ist genau diese Verflechtung von Finanzierung und Auftrag inzwischen ein Systemmerkmal des KI-Booms.
Für Anthropic ist der Deal der vierte große Compute-Pfeiler binnen eines Jahres — und ein Lehrstück in Lieferanten-Diversifizierung. Im Oktober 2025 sicherte sich das Unternehmen Zugriff auf bis zu eine Million Google-TPUs, im November folgten ein 30-Milliarden-Dollar-Azure-Vertrag mit Microsoft samt erster direkter Nvidia-Partnerschaft, dazu läuft mit AWS das Trainium-Großprojekt Rainier. Nun kommen AMD-GPUs hinzu. Anthropic verteilt Training, Inferenz und Forschung damit bewusst über vier Chip-Architekturen und mehrere Clouds — als Absicherung gegen Engpässe und gegen die Preismacht einzelner Anbieter, allen voran Nvidia.
Für AMD wiederum ist es der bislang stärkste Beleg, dass die Instinct-Linie im Frontier-Segment ankommt: Nach OpenAI und Oracle ist Anthropic der dritte Großabnehmer; Anthropic setzt bereits heute MI355X-Beschleuniger produktiv ein. Die Börse honorierte das mit einem Kursplus, dessen genaue Höhe je nach Quelle zwischen sechs und zehn Prozent lag. Was der Einstieg des Chipherstellers für das Kräfteverhältnis im KI-Hardware-Markt bedeutet — und warum Nvidias Dominanz trotzdem nicht so schnell fällt —, vertiefen wir in der Reportage dieser Ausgabe.
- AMD Newsroom — AMD and Anthropic Announce Strategic Partnership
- heise online — Anthropic will über eine Million AMD-GPUs kaufen
- CNBC — AMD to invest up to $5 billion in Anthropic as part of computing power deal
- Tom's Hardware — AMD to supply Anthropic with 2 gigawatts of Instinct MI450 GPUs
- The Verge — AMD commits up to $5 billion to Anthropic