Modelle · Thinking Machines Lab
Muratis Wette gegen Einheits-KI: Thinking Machines verschenkt sein erstes Modell
Thinking Machines Lab, das Startup der früheren OpenAI-Technikchefin Mira Murati, hat am 15. Juli sein erstes KI-Modell veröffentlicht: Inkling, ein Open-Weights-Modell unter Apache-2.0-Lizenz. Technisch ist es ein Mixture-of-Experts-Transformer mit 975 Milliarden Parametern, von denen pro Token nur 41 Milliarden aktiv rechnen — 256 geroutete plus zwei geteilte Experten, von denen jeweils sechs pro Token anspringen. Trainiert wurde auf 45 Billionen Token aus Text, Bildern, Audio und Video auf Nvidia-GB300-Systemen; das Modell verarbeitet nativ Bilder und bis zu 20 Minuten Audio als Eingabe, antwortet aber ausschließlich in Text. Das Kontextfenster reicht bis zu einer Million Token, der „Thinking Effort“ — also wie lange das Modell vor der Antwort nachdenkt — lässt sich stufenlos regeln. Die vollständigen Gewichte liegen auf Hugging Face, gehostete APIs bieten unter anderem Together AI, Fireworks, Databricks und Baseten an; eine kleinere Variante „Inkling-Small“ (276 Milliarden Parameter) ist als Preview verfügbar. [Thinking Machines Lab](https://thinkingmachines.ai/news/introducing-inkling/), [TechCrunch](https://techcrunch.com/2026/07/15/thinking-machines-amps-up-its-bet-against-one-size-fits-all-ai-with-its-first-open-model-inkling/)
Bemerkenswert ist die Positionierung: Thinking Machines bewirbt Inkling ausdrücklich nicht als leistungsstärkstes Modell am Markt, sondern als „ausgewogenen offenen Ausgangspunkt“ für eigene Anpassungen. Die Kernthese des Unternehmens: Zentral trainierte Einheitsmodelle — „one size fits all“ — unterliegen langfristig Systemen, die Organisationen selbst auf ihre Daten und Aufgaben zuschneiden können. Das Geschäftsmodell liegt entsprechend nicht im Modell selbst, sondern in Tinker, der hauseigenen Fine-Tuning-Plattform, auf der Inkling ab sofort mit 50 Prozent Einführungsrabatt angepasst werden kann. Herstellerangaben zufolge erreicht Inkling 97,1 Prozent beim Mathematik-Benchmark AIME 2026 und 77,6 Prozent bei SWE-Bench Verified — solide Werte, aber kein Spitzenplatz. [Model Card](https://thinkingmachines.ai/model-card/inkling/), [MarkTechPost](https://www.marktechpost.com/2026/07/15/thinking-machines-lab-releases-inkling-a-975b-parameter-open-weights-multimodal-moe-with-41b-active-parameters-and-controllable-thinking-effort/)
Die Community reagierte entsprechend zwiegespalten. Auf Hacker News verwiesen Kommentatoren umgehend darauf, dass das chinesische Open-Weights-Modell GLM-5.2 in mehreren Benchmarks vor Inkling liegt und Kimi K2.7 etwa beim Wissenschafts-Benchmark GPQA Diamond vorn bleibt — warum also ein Modell nutzen, das trotz Milliarden-Finanzierung nicht die Spitze erreicht? Verteidiger hielten dagegen: Für ein anderthalb Jahre altes Labor sei das ein bemerkenswert starkes Debüt, und die native Audio- und Bildverarbeitung sei ein echtes Alleinstellungsmerkmal — die chinesischen Open-Weights-Konkurrenten sind sämtlich reine Textmodelle. [Hacker News](https://news.ycombinator.com/item?id=48924912)
Hinter dem Launch steht eines der am besten finanzierten Startups der KI-Geschichte: Thinking Machines wurde im Februar 2025 gegründet und sammelte im Juli 2025 zwei Milliarden Dollar Seed-Kapital bei zwölf Milliarden Dollar Bewertung ein — angeführt von Andreessen Horowitz, mit Nvidia, Accel, AMD und Jane Street im Cap Table. Das Team liest sich wie ein OpenAI-Alumni-Verzeichnis: Mitgründer John Schulman, dazu Barret Zoph und Lilian Weng. Dass ausgerechnet dieses Unternehmen auf offene Gewichte setzt, reiht sich in eine wachsende US-Bewegung ein — von OpenAIs gpt-oss über Reflection AI, dessen Milliarden-Compute-Deals wir gestern beleuchtet haben, bis zum ATOM Project. Hugging-Face-CEO Clément Delangue sieht den Markt ohnehin kippen: Unternehmen „mieten ihre KI nicht mehr“, sagte er erst vergangene Woche (siehe unsere Ausgabe vom 11. Juli). [TechCrunch — Seed-Runde](https://techcrunch.com/2025/07/15/mira-muratis-thinking-machines-lab-is-worth-12b-in-seed-round/)
Ob die Wette aufgeht, hängt davon ab, ob Unternehmen tatsächlich in relevanter Zahl vom Modell-Abo zum angepassten Eigenbetrieb wechseln — die Nutzungsdaten dazu sind widersprüchlicher, als der Hype vermuten lässt. Was der Inkling-Launch über die Verschiebung der Machtverhältnisse in der KI-Industrie verrät, welche Rolle chinesische Modelle und US-Exportkontrollen dabei spielen und was Entscheider daraus ableiten sollten, analysiert unsere heutige Reportage ausführlich.
- Thinking Machines Lab — Introducing Inkling
- TechCrunch — Thinking Machines amps up its bet against one-size-fits-all AI with its first open model, Inkling
- Thinking Machines Lab — Inkling Model Card
- Wired — Thinking Machines Lab Drops Its First Model
- MarkTechPost — Thinking Machines Lab Releases Inkling
- Hacker News — Inkling: Open-Weights 975B Parameter LLM