Entwickler · Preismodelle
„What a joke“: GitHub stellt Copilot auf Token-Abrechnung um — und die Entwickler revoltieren
Am 30. Mai berichtete TechCrunch unter der Überschrift „'What a joke': Github Copilot's new token-based billing spurs consternation among devs" über eine Umstellung, die das Abrechnungsmodell von GitHubs Coding-Assistenten grundlegend verändert. Zum 1. Juni 2026 ersetzt GitHub das bisherige System der „Premium Requests" — eine feste Zahl von Premium-Anfragen pro Monat plus unbegrenzte Basisanfragen — durch ein nutzungsbasiertes Modell auf Basis von „GitHub AI Credits". Abgerechnet wird künftig nach tatsächlichem Token-Verbrauch (Input, Output und gecachte Tokens) gemäß den API-Raten des jeweiligen Modells. Jeder Plan enthält ein monatliches Credit-Kontingent in Höhe des Abopreises; bezahlte Pläne können Guthaben zukaufen. Code-Vervollständigungen bleiben kostenlos. Der Grundpreis ändert sich nicht — was Kritiker auf eine knappe Formel bringen: gleicher Preis, weniger Leistung.
Konkret koppelt GitHub die Credits an den Tarif: Copilot Pro (10 Dollar/Monat) erhält 10 Dollar AI-Credits, Pro+ (39 Dollar) entsprechend 39, Business (19 Dollar/Nutzer) und Enterprise (39 Dollar/Nutzer) bekommen für die Übergangsmonate Juni bis August einen Bonus (30 bzw. 70 Dollar). Neu sind organisationsweit poolbare Credits und Budget-Kontrollen für Administratoren. Wer ein Jahresabo hat, bleibt vorerst beim alten Modell — allerdings steigen dort ab dem 1. Juni die Modell-Multiplikatoren, etwa für Copilot Code Review auf den Faktor 13. Die titelgebende Empörung („What a joke") stammt laut TechCrunch von einem Nutzer im Subreddit r/GithubCopilot.
Auf Reddit und X kursieren seither drastische Hochrechnungen: Ein Nutzer berichtete, seine bisher rund 29 Dollar pro Monat würden auf knapp 750 steigen; ein anderer zeigte einen Screenshot mit einem Sprung von etwa 50 auf rund 3.000 Dollar. (Diese Einzelfälle sind Nutzerangaben, nicht unabhängig verifiziert — sie illustrieren die Sorge, nicht eine durchschnittliche Preissteigerung.) Der Kern der Kritik: Budgets werden unvorhersehbar, weil agentische Aufgaben — bei denen Copilot stunden- oder tagelang Hunderte Teilschritte abarbeitet — ein Monatskontingent in einer einzigen Anfrage verbrennen können. Hinzu kommt das Prinzip „use it or lose it": Ungenutzte Credits verfallen monatlich. In der GitHub-Community-Diskussion bringt es ein Kommentar auf den Punkt: „This is removing the one real advantage GHCP had over Claude Code et al." Genannt werden Festpreis-Alternativen wie Cursor (20 Dollar) und Windsurf (15 Dollar).
GitHubs Begründung ist entwaffnend ehrlich: Copilot sei zu einer „agentic platform capable of running long, multi-step coding sessions" geworden, die „deutlich höhere Compute- und Inferenz-Anforderungen" erzeuge. Das alte Pauschalmodell sei nicht mehr tragfähig, weil das Nutzungsniveau nicht mehr mit den realen Rechenkosten korrespondiere. Übersetzt heißt das: Die GPU-Rechnung lässt sich nicht länger über eine Flatrate quersubventionieren. Damit steht GitHub exemplarisch für ein Problem, das 2026 die gesamte Branche erfasst — die Diskrepanz zwischen dem, was Nutzer zahlen, und dem, was ihre Agenten an Compute verschlingen.
Denn die Copilot-Umstellung ist kein Einzelfall, sondern Teil einer breiten Kostenkorrektur. Unter dem Schlagwort „Tokenmaxxing" trieben Mitarbeiter bei Amazon, Meta und Uber interne Token-Kennzahlen in die Höhe, bis die Konzerne gegensteuerten — Amazon schaltete sein „KiroRank"-Leaderboard ab, wie wir in unserer Ausgabe vom 30. Mai berichteten. Microsoft kündigte im Mai die meisten internen Claude-Code-Lizenzen und lenkte Tausende Entwickler auf die Copilot CLI um. Agentische Modelle verbrauchen nach Branchenschätzungen bis zum Tausendfachen der Tokens einfacher Chat-Anfragen. Nvidia-Manager Bryan Catanzaro formulierte gegenüber Axios die unbequeme Wahrheit dieser Ära: „For my team, the cost of compute is far beyond the costs of the employees." Für Entscheider in SaaS-Unternehmen ist die Lehre konkret: Wer agentische KI in Produkte einbaut, importiert eine variable, schwer prognostizierbare Kostenkomponente — und sollte Preismodell und Token-Budgetierung von Anfang an mitdenken, statt sie wie GitHub nachträglich umzubauen.