Börse · OpenAI
OpenAI steuert auf den größten Börsengang der Geschichte zu — Listing im September im Gespräch
Nach übereinstimmenden Berichten von CNBC, Bloomberg und Reuters hat OpenAI um den 20. Mai begonnen, eine vertrauliche Voranmeldung (ein sogenanntes Confidential S-1) bei der SEC einzureichen. Das früheste realistische Zeitfenster für das Börsendebüt ist September 2026. Die aktuelle Privatbewertung liegt bei rund 852 Milliarden Dollar; für den Börsengang wird laut Financial Times eine Bewertung von über einer Billion Dollar angestrebt — das wäre der größte Börsengang der US-Geschichte. Als federführende Banken gelten Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Möglich wurde der Schritt erst durch die Umstrukturierung vom Oktober 2025: OpenAI wandelte sich von einer gemeinnützig kontrollierten Struktur in eine Public Benefit Corporation um, genehmigt von den Generalstaatsanwälten Kaliforniens und Delawares. Microsoft hält seitdem rund 27 Prozent — bei einer Billionen-Bewertung ein rechnerischer Buchwert von über 200 Milliarden Dollar auf eine investierte Summe von etwa 13 Milliarden. Ein Börsengang wäre damit auch für Microsoft ein gewaltiges Liquiditätsereignis.
Die Treiberlogik ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Der spektakuläre Nasdaq-Start des Chipherstellers Cerebras am 14. Mai — über 5,5 Milliarden Dollar Erlös, Kursverdopplung am ersten Tag — hat gezeigt, dass Anleger bereit sind, massiv in KI zu investieren, auch ohne Profitabilität (siehe unsere Ausgabe vom 15. Mai). Sam Altman will dieses Fenster nutzen, bevor die Stimmung dreht oder der Rivale Anthropic vorprescht.
Intern ist die Lage weniger eindeutig. Finanzchefin Sarah Friar soll erhebliche Vorbehalte angemeldet haben: OpenAI ist Kapitalverpflichtungen für Rechenzentren und Compute in der Größenordnung von 600 Milliarden Dollar eingegangen, während die Umsatzkurve — bei rund zwei Milliarden Dollar Monatsumsatz — diese Last noch lange nicht trägt. Interne Prognosen sehen für 2026 einen Verlust von rund 14 Milliarden Dollar und Profitabilität frühestens 2030. Friar soll ein Listing eher 2027 bevorzugen; Altman drängt auf 2026.
Für Investoren bleibt die Kernfrage offen, ob OpenAI je profitabel wird. Günstige Open-Source-Konkurrenz und immer effizientere Modelle drücken die Preise — genau dann, wenn die Infrastrukturkosten exponentiell steigen. CNBC titelte am selben Tag warnend: „Cheap AI could derail OpenAI and Anthropic's IPOs.“ Der genaue Termin, das Emissionsvolumen und die endgültige Bewertung sind noch nicht bestätigt und hängen von den Marktbedingungen ab.
- CNBC — OpenAI to confidentially file for IPO as soon as Friday
- Handelsblatt — OpenAI strebt offenbar Börsengang im September an
- TechTimes — OpenAI IPO Delay To 2027? Sarah Friar Flags $600 Billion Risk
- CNBC — Cheap AI could derail OpenAI and Anthropic's IPOs
- Yahoo Finance — OpenAI's own forecast predicts $14 billion loss in 2026