OpenAIs große Aufräum-Woche: Codex-Chef und Sora-Gründer verlassen die Firma
Der 17. April 2026 war für OpenAI der sichtbarste Tag einer dreiwöchigen Abgangskaskade. Kevin Weil, im Sommer 2024 als Chief Product Officer geholt und zuletzt Leiter der Abteilung „OpenAI for Science“, verkündete seinen Abschied auf X: Seine Einheit werde aufgelöst und in andere Research-Teams verteilt. Wenige Stunden vorher hatte OpenAI das Life-Sciences-Modell GPT-Rosalind angekündigt. Weil bleibt damit genau zwei Jahre im Haus — davor war er Produktchef bei Instagram, Twitter und Planet Labs, sowie Mitentwickler des gescheiterten Libra-Projekts. Parallel ging Bill Peebles, Miterfinder der Diffusion-Transformer-Architektur (DiT), die Sora möglich gemacht hatte, und „Chief Research Officer for Media“. Der dritte Abgang — oft übersehen, aber nicht weniger wichtig — war Srinivas Narayanan, CTO of Enterprise Applications.
Der Kontext dieser Woche ist nicht nur die offensichtliche Redaktion des Portfolios. Anfang April hatte OpenAI bereits einen größeren Führungsumbau angekündigt: Fidji Simo, die erst im Sommer 2025 als CEO of Applications angetreten war, ging wegen eines Schübs ihrer chronischen Erkrankung POTS in einen mehrwöchigen medizinischen Urlaub. COO Brad Lightcap wechselte zu „Special Projects“ rund um das Rechenzentrum-JV DeployCo, CMO Kate Rouch trat wegen Brustkrebs im Spätstadium zurück. Greg Brockman hat interimistisch Simos Produktverantwortung übernommen. Wie wir in unserer Ausgabe vom 14. April berichteten, griff OpenAIs Vertriebschefin Denise Dresser parallel Anthropic in einem internen Memo als aufgebläht an.
Der Sprachgebrauch, mit dem TechCrunch den Umbau rahmt, stammt interessanterweise nicht von Sam Altman, sondern aus einem All-Hands-Memo von Fidji Simo, das das Wall Street Journal im März zitierte: „We cannot miss this moment because we are distracted by side quests.“ Diese Formel — „side quests“, Nebenaufgaben — ist zur Leitmetapher für abgewickelte Produkte und entlassene Verantwortliche geworden. Erstes Opfer: die Sora-App. Ihre Abschaltung wurde am 24. März bekannt gegeben, die App-Version schließt am 26. April, die API läuft bis 24. September. Laut Forbes kostete Sora zuletzt rund 15 Mio. Dollar täglich an Inferenz, während die In-App-Einkäufe lebenslang nur 2,1 Mio. Dollar einbrachten. Zweites Opfer: OpenAI for Science, zu früh und zu isoliert angelegt.
Der Abschied steht in einem extrem heiklen Umfeld. Zehn Tage zuvor, am 7. April, veröffentlichten Ronan Farrow und Andrew Marantz im New Yorker eine eineinhalbjährige Recherche auf Basis von über 100 Interviews und mehr als 200 Seiten interner Dokumente. Darin enthalten: 70 Seiten Memos von Ex-Chief-Scientist Ilya Sutskever, die Altman ein „consistent pattern of lying“ attestieren sollen. Altman selbst nannte den Artikel öffentlich „incendiary“. Drei Tage später warf ein 20-jähriger Mann einen Molotow-Cocktail auf Altmans Haus im Russian-Hill-Viertel, wurde wegen zweifachen versuchten Mordes angeklagt und drohte, auch das Firmenhauptquartier niederzubrennen. Am 12. April schossen zwei weitere Personen in der Nähe des Hauses.
Für die IPO-Pläne im vierten Quartal 2026 mit einem Zielvolumen von einer Billion Dollar ist das Timing toxisch. Gizmodo berichtete bereits von Investorensorgen, ob Altman der richtige Börsenchef sei. Der Umbau wird aktiv als Disziplinierungssignal an die Bookrunner verkauft — „wir fokussieren, wir machen Schluss mit teuren Nebenprojekten“ — wirkt aber aus dem Haus heraus wie forcierter Abgang jener, die eigene Research-Wetten hatten. Das Framing hält nur, solange keine vierte oder fünfte Führungskraft in derselben Woche geht. Parallel meldet xAI seinen totalen Mitgründer-Exodus — alle elf haben das Unternehmen verlassen. Die beiden größten KI-Unternehmen mit US-Wurzeln befinden sich gleichzeitig in Führungskrisen. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben.