· 5 Artikel + Reportage + Tool-Radar + Werkstatt

Ausgabe vom 25. Juli 2026

Maschinell recherchiert, menschlich relevant.

KI-Modelle · Anthropic

Claude Opus 5: Anthropics neues Topmodell kostet die Hälfte von Fable 5

Hintergrund & Analyse

Anthropic hat am 24. Juli 2026 Claude Opus 5 veröffentlicht, die neue Version seines Spitzenmodells. Der Preis liegt bei 5 US-Dollar pro Million Input-Token und 25 US-Dollar pro Million Output-Token — exakt auf dem Niveau des Vorgängers Opus 4.8, aber nur halb so teuer wie Fable 5, das weiterhin 10 bzw. 50 US-Dollar pro Million Token kostet. Diese Preisangaben bestätigen sowohl die offizielle Anthropic-Ankündigung als auch t3n und TechCrunch übereinstimmend. Zusätzlich gibt es einen optionalen Fast Mode mit 2,5-facher Geschwindigkeit zum doppelten Preis. Opus 5 ist sofort über Claude API, Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork verfügbar, wird neuer Standard in Claude Max und ist laut Anthropic das leistungsfähigste Modell, das Claude-Pro-Abonnenten zur Verfügung steht. Das Kontextfenster liegt laut Artificial Analysis bei 1 Million Token.

Auf dem Artificial Analysis Intelligence Index erreicht Opus 5 einen Score von 61 Punkten und liegt damit knapp vor Fable 5 (60), GPT-5.6 Sol (59) und Kimi K3 (57) — eine Rangfolge, die sowohl von Officechai als auch in der Hacker-News-Diskussion zum Leaderboard bestätigt wird. Bei GDPval-AA v2, einem Benchmark für professionelle Wissensarbeit, liegt Opus 5 im Max-Modus laut Artificial Analysis mit 1861 Elo-Punkten mehr als 100 Punkte vor Fable 5 und GPT-5.6 Sol. Weitere Benchmark-Werte — etwa eine mehr als verdoppelte Punktzahl gegenüber Opus 4.8 auf dem hauseigenen Frontier-Bench, ein Ergebnis innerhalb 0,5 Prozent von Fable 5 auf CursorBench 3.2 bei halben Kosten, sowie ein dreifach höherer Wert auf ARC-AGI 3 — stammen jedoch ausschließlich aus Anthropics eigener Ankündigung und sind bislang nicht unabhängig verifiziert. Neu ist ein Effort-Regler, mit dem Nutzer zwischen Intelligenz und Token-Verbrauch abwägen können, sowie zwei Beta-Features: dynamischer Werkzeugzugriff mitten im Gespräch und automatische Fallbacks, bei denen das Modell bei ausgelösten Sicherheits-Klassifizierern auf ein schwächeres Modell umschaltet, statt die Anfrage abzulehnen.

Bei den Alignment-Kennzahlen verweist Anthropic laut eigener Ankündigung auf den niedrigsten Fehlausrichtungs-Wert (2,3) aller bisherigen Modelle und auf 85 Prozent weniger Klassifizierer-Eingriffe im Vergleich zu Fable 5 — auch dies ausschließlich Anthropics eigene, nicht extern geprüfte Angaben. Zugleich räumt das Unternehmen laut t3n ein, dass Opus 5 bei sicherheitskritischen Dual-Use-Fähigkeiten wie Cybersecurity-Exploits hinter dem eigenen Modell Mythos zurückbleibt. Eine Anthropic-Produktmanagerin wird von t3n mit der Aussage zitiert, ein Modell, das nur günstiger sei, aber nicht die gleiche Qualität biete, sei „letztlich nutzlos“ — eine Positionierung, die den Preis-Leistungs-Fokus des Launches unterstreicht.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Erst am 17. Juli hatte Moonshot AI mit Kimi K3 ein 2,8-Billionen-Parameter-Modell veröffentlicht, das laut mehreren deutschen Fachmedien in einzelnen Benchmarks sowohl Fable 5 als auch GPT-5.6 Sol übertrifft — zu rund 60 Prozent des Opus-4.8-Preises. Die Inferenz hat diesen Trend in den vergangenen Ausgaben mehrfach begleitet: Chinesische Open-Weight-Modelle wie Kimi K3 und Qwen 3.8 setzen Anthropic und OpenAI zunehmend unter Preisdruck. Opus 5 lässt sich als direkte Antwort lesen — ein Modell nahe an der Spitze des Leaderboards, aber zum gleichen Preis wie sein Vorgänger und deutlich günstiger als das eigene teuerste Angebot. t3n ordnet den Launch explizit in den Kontext von Preisdruck durch Microsoft, Amazon, Google und chinesische Anbieter ein; Unternehmenskunden würden verstärkt besseres Preis-Leistungs-Verhältnis einfordern.

Die Reaktionen in der Hacker-News-Diskussion zum Leaderboard-Platz fallen gemischt aus: Mehrere Kommentatoren relativieren die Spitzenposition und verweisen darauf, dass GPT-5.6 Sol bei ähnlicher Leistung günstiger sei und Kimi K3 vergleichbare Ergebnisse zu etwa halben Kosten liefere — beides unbestätigte Einzelmeinungen aus der Community, keine belastbaren Fakten. Wiederkehrender Kritikpunkt ist zudem Anthropics restriktives Content-Filtering: Nutzer berichten von Blockaden bei harmlosen biologischen, mathematischen oder Reverse-Engineering-Anfragen. Anthropic selbst wirbt dagegen mit den bereits erwähnten Automatic Fallbacks als Lösung für genau dieses Problem. Ob Opus 5 sich im Alltagseinsatz gegen die zunehmend konkurrenzfähigen chinesischen Modelle und GPT-5.6 Sol behauptet, bleibt nach wenigen Stunden Verfügbarkeit offen.

KI-Politik · Offene Modelle

Nvidia, Meta, Microsoft und 22 weitere fordern Schutz für offene KI-Modelle

Hintergrund & Analyse

Am 24. Juli 2026 veröffentlichten rund 25 US-Unternehmen und Organisationen den offenen Brief „Open Weights and American AI Leadership“. Zu den Unterzeichnern zählen Nvidia, Microsoft, Meta, IBM, Palantir, Dell, CrowdStrike, ServiceNow, Hugging Face, Perplexity, Mistral, Replit, Box, Andreessen Horowitz, Y Combinator, die Linux Foundation und Mozilla sowie kleinere Modell-Entwickler wie Black Forest Labs, Arcee AI und Reflection. Kernforderung: Die Politik solle offene Modellgewichte nicht durch „premature restrictions“ pauschal einschränken, sondern stattdessen Compute-Zugang für Startups und Forschung ausbauen und in gemeinsame Trainingsdaten und Evaluationsrahmen investieren. Nvidia-CEO Jensen Huang postete den Brief laut mehreren Berichten als seinen ersten X-Beitrag überhaupt, mit dem Zitat: „The world needs both frontier closed models and frontier open models.“ Microsoft-Chef Satya Nadella unterstützte die Botschaft am selben Tag, Elon Musk äußerte öffentliche Zustimmung.

Inhaltlich zielt der Brief direkt auf den Kern der laufenden Destillations-Debatte: Er verteidigt Destillation als „widely used technique for model improvement, evaluation, and validation“ und fordert, unrechtmäßige IP-Extraktion über gezielte rechtliche und kommerzielle Rahmenwerke statt über pauschale Verbote zu adressieren. Das ist eine unmittelbare Antwort auf die Vorwürfe, die Finanzminister Bessent und Weißes-Haus-Berater Kratsios in den Vortagen erhoben hatten — Kratsios hatte behauptet, Moonshot AIs Kimi K3 beruhe auf unautorisierter Destillation von Anthropic-Technologie. Der Brief selbst nennt weder China noch Kimi K3 noch Qwen namentlich; er spricht durchgehend allgemein von „open-weight models“. Diese Formulierung dürfte bewusst gewählt sein, um nicht in eine explizite Verteidigung chinesischer Modelle hineininterpretiert zu werden.

Bemerkenswert ist die Abwesenheitsliste: OpenAI, Anthropic und laut TheNextWeb auch Google unterzeichneten nicht. Ein Tech-Branchendienst berichtet, beide Unternehmen hätten dies mit anstehenden IPO-Vorbereitungen begründet — diese Angabe stammt bislang nur aus dieser einen Quelle und ist als unbestätigt zu behandeln. Plausibler als alleinige Erklärung ist ein bereits aus früheren Ausgaben bekannter Interessenkonflikt: OpenAI und Anthropic betreiben geschlossene Frontier-Modelle und haben ökonomisch wenig zu gewinnen, wenn offene Alternativen — ob aus den USA oder aus China — ungebremst aufholen.

Der Brief löst den scheinbaren Widerspruch zwischen „pro offenes US-Modell“ und „contra offenes chinesisches Modell“ nicht auf, sondern umgeht ihn: Viele Unterzeichner sind selbst Anbieter oder Nutznießer offener Gewichte — Meta (Llama), IBM (Granite), Mistral, Hugging Face als zentrale Verteilplattform, Black Forest Labs und Reflection als offene Modell-Startups. Eine pauschale, kategorische Beschränkung „offener Gewichte“, wie sie Bessent und Kratsios in der China-Debatte ins Spiel gebracht haben, träfe im Zweifel auch diese US-Produkte. Indem der Brief China nicht erwähnt und stattdessen für die Kategorie „offene Gewichte“ insgesamt eintritt, positioniert sich ein breites, sonst konkurrierendes Industrie-Bündnis gegen eine kategorische Regulierung — und erhöht den Druck auf das Weiße Haus, bei einer möglichen China-Antwort gezielt statt pauschal vorzugehen. Ob dies die Bessent/Kratsios-Linie tatsächlich abschwächt, ist offen; OpenAI und Anthropic bleiben mit ihrer restriktiveren Position bislang isoliert von diesem Bündnis.

KI-Strategie · Microsoft

MAI statt OpenAI: Microsoft ersetzt fremde KI-Modelle in immer mehr eigenen Produkten

Hintergrund & Analyse

Laut einem heise-Bericht vom 24. Juli ersetzt Microsoft in weiteren Kernprodukten externe KI-Modelle durch eigene MAI-Systeme: Der Bing Image Creator läuft inzwischen vollständig auf MAI-Image-2.5 beziehungsweise der Pro-Variante, die auch in PowerPoint und OneDrive zum Einsatz kommt. In Dynamics 365 Contact Center und Azure Voice Live übernimmt MAI-Voice-2-Flash die Sprachsynthese, Dragon Copilot nutzt MAI-Transcribe-1.5 zur Transkription. Microsoft beziffert die Einsparungen konkret: Bei den Bild-zu-Bild-Funktionen in PowerPoint sinken die GPU-Kosten gegenüber GPT-Image-2 um bis zu 84 Prozent, in Dynamics 365 um bis zu 89 Prozent. MAI-Voice-2-Flash arbeitet doppelt so schnell und 32 Prozent günstiger als sein Vorgänger, bei OneDrive sank die P95-Latenz um rund 25 Prozent.

Der Vorstoß ist kein Einzelfall: Bereits seit dem 7. Juli verlagert Microsoft laut einem it-boltwise-Bericht vom 8. Juli in Excel und Outlook „Zehntausende Prompts pro Woche“ von OpenAI- und Anthropic-Modellen auf eine interne Plattform. Konkrete Modellnamen oder Kostenzahlen nennt Microsoft dafür nicht, die Stoßrichtung ist aber dieselbe: Kontrolle über Token-Verarbeitungskosten, geringere Abhängigkeit von Drittanbietern und engere Anpassung der Modelle an spezifische Produktfunktionen.

Hintergrund ist eine seit Ende 2025 laufende Aufrüstung von Microsofts eigener KI-Forschung. Microsoft-AI-Chef Mustafa Suleyman sagte laut VentureBeat, sein im November 2025 gegründetes „MAI Superintelligence Team“ sei erst vor etwa sechs Monaten vertraglich von Beschränkungen gegenüber OpenAI befreit worden, um eigenständige Frontier-KI-Forschung zu betreiben. Beim Build-2026-Event im Juni stellte das Team sieben komplett neu und ohne Distillation aus fremden Modellen trainierte MAI-Modelle vor, angeführt vom Reasoning-Modell MAI-Thinking-1 (Mixture-of-Experts mit einer Billion Parametern, 35 Milliarden aktiv, 128.000-Token-Kontext). Microsoft selbst gibt an, MAI-Thinking-1 erreiche in blinden menschlichen Tests das Niveau von Anthropics Claude Sonnet 4.6 und ziehe bei einem verbreiteten Coding-Benchmark mit dem stärkeren Claude Opus 4.6 gleich — diese Vergleichswerte stammen ausschließlich aus Microsofts eigenen, nicht unabhängig verifizierten Angaben. Die MAI-Diversifizierung reiht sich ein neben Microsofts kürzlich vertiefter Partnerschaft mit Mistral (21.7.), bei der Microsoft im Gegenzug für Vertriebsreichweite Zugriff auf europäische GPU-Kapazitäten erhielt.

Ein vollständiger Bruch mit OpenAI ist das nicht: Seit der Neuverhandlung der Partnerschaft im April 2026 ist die frühere Azure-Exklusivität zwar gefallen — OpenAI darf API-Zugriff nun über jeden Cloud-Anbieter verkaufen —, Microsoft bleibt aber laut übereinstimmenden Berichten OpenAIs primärer Cloud-Partner, hält eine IP-Lizenz bis 2032 und einen gedeckelten 20-Prozent-Anteil an OpenAIs Umsätzen bis 2030. Treibende Kraft der Neuordnung war Berichten zufolge OpenAIs für September 2026 anvisierter Börsengang bei einer angestrebten Bewertung von über einer Billion Dollar, der eine offene, einseitig kündbare Exklusivbindung an einen einzelnen Konzern für den Kapitalmarkt unattraktiv gemacht hätte. Microsofts MAI-Offensive lässt sich damit weniger als Bruch, sondern als parallele Risikostreuung lesen: OpenAI-Modelle bleiben im Einsatz, wo sie die beste Leistung liefern, während Microsoft für kosten- und latenzsensible Massenanwendungen zunehmend eigene, günstigere Modelle einsetzt.

KI-Agenten · M&A

Wenn der Chat-Ton zum Assetwert wird: Cognition kauft den Messaging-Agenten Poke

Hintergrund & Analyse

Cognition, bekannt für den autonomen Coding-Agenten Devin, hat The Interaction Company of California übernommen — das Startup hinter dem Messaging-Agenten Poke. Laut TechCrunch bewegt sich der Kaufpreis im „niedrigen neunstelligen Bereich“ — eine Einschätzung, die auch andere Branchendienste unter Berufung auf dieselbe Quelle wiedergeben. Poke wurde im März 2026 von Marvin von Hagen mitgegründet und lässt sich per iMessage, SMS, Telegram und in einigen Märkten WhatsApp ansprechen — für Aufgaben von Terminplanung über Reise- und Finanz-Organisation bis zu E-Mail-Management. Nach Angaben des Unternehmens wurden in den vergangenen drei Monaten mehr als 100 Millionen Nachrichten ausgetauscht; Poke war zudem der erste KI-Agent, der für Apples „Messages for Business“-Plattform freigegeben wurde (Juni 2026). Diese Nutzungszahlen stammen aus Unternehmensangaben und sind nicht unabhängig verifiziert.

Die strategische Begründung, die dem TechCrunch-Titel seinen Namen gibt: Wie ein KI-Assistent mit Nutzern interagiert, werde ökonomisch ebenso wertvoll wie das Modell dahinter. Poke gilt als auffallend informell und pointiert im Ton — es reagiert mit Slang und Humor, statt neutral-höflich zu antworten. Cognition will diesen Interaktionsstil auf Devin übertragen, damit sich die Arbeit mit dem Coding-Agenten laut Mitgründer Scott Wu „genau so anfühlt“ wie eine Unterhaltung mit einem Kollegen, der auch mal einen Witz macht — eine Aussage, die bislang nur aus Cognitions eigener Kommunikation stammt und als Eigendarstellung zu lesen ist. Bemerkenswert am Rande: Wu und Cognition-Mitgründer Walden Yan waren bereits vor der Übernahme Angel-Investoren bei Interaction. Laut TechCrunch war Poke trotz seiner Popularität teuer im Betrieb, was Profitabilität erschwerte — ein Detail, das die Übernahme auch als Rettungsanker für ein margenschwaches Produkt lesbar macht.

Cognition selbst befindet sich in aggressiver Expansion: Nach der Übernahme von Windsurf im Juli 2025 sammelte das Unternehmen im Mai 2026 eine Series-D-Runde über gut eine Milliarde Dollar bei einer Bewertung von 26 Milliarden Dollar ein, angeführt von Lux Capital, General Catalyst und 8VC mit Beteiligung von Peter Thiels Founders Fund. Der Umsatz wuchs nach eigenen Angaben von 37 Millionen Dollar (Mai 2025) auf 492 Millionen Dollar (Mai 2026); Ziel ist eine Milliarde Dollar Jahresumsatz bis Ende 2026 — auch diese Zahlen sind unternehmenseigene Angaben ohne externe Prüfung. Technisch soll Poke künftig auf Cognitions eigenem Modell SWE-1.7 laufen und schneller sowie zuverlässiger werden; langfristig ist laut Ankündigung denkbar, dass Poke mehrere Devin-Coding-Sessions orchestriert und ein persistentes Gedächtnis über Sitzungen hinweg aufbaut. Ob Poke als eigenständiges Produkt bestehen bleibt oder in Devin aufgeht, ist offen.

Die Übernahme reiht sich in einen breiteren Trend: Der Markt für KI-Begleiter und personalitätsgetriebene Assistenten wächst rasant, mit Anbietern wie Character.AI und Replika, die auf emotionale Bindung und Persönlichkeit statt reiner Aufgabenerfüllung setzen. Anders als diese Consumer-Companion-Apps positioniert Cognition Persönlichkeit jedoch als Werkzeug für Produktivität und Entwickler-Bindung, nicht für emotionale Nähe — ein Unterschied, der angesichts wachsender regulatorischer Kritik an anthropomorphen Chatbots relevant bleiben dürfte. Ob „Persönlichkeit als Feature“ bei einem Coding-Agenten dieselbe Zugkraft entfaltet wie bei Consumer-Companion-Produkten, ist eine offene Wette — und der eigentliche Test für diese Übernahme.

IT-Sicherheit · OpenAI

ChatGPT-Lücke „AgentForger“: Ein präparierter Link genügte, um einen gekaperten KI-Agenten einzuschleusen

Hintergrund & Analyse

Die auf KI-Sicherheit spezialisierte Firma Zenity Labs hat eine Schwachstelle in OpenAIs Workspace-Agents (Agent Builder) offengelegt, einem im April 2026 eingeführten Feature, mit dem Teams KI-Agenten für wiederkehrende Aufgaben erstellen können. Die Lücke, von den Entdeckern „AgentForger“ getauft, funktionierte über eine präparierte Initialisierungs-URL des Agent Builders. Klickte ein Mitarbeiter auf einen solchen Link, wurde ohne weitere Bestätigung automatisch ein Agent aus einer mächtigen Vorlage erstellt und mit den bereits autorisierten Konnektoren des Nutzers verknüpft — etwa Gmail, Outlook, Teams oder SharePoint (t3n, The Hacker News).

Technisch nutzte der Angriff laut The Hacker News zwei URL-Parameter der Agent-Builder-Adresse: template_name wählte eine Vorlage (die Berichte nennen ein „Chief of Staff“-Template), initial_assistant_prompt übergab Anweisungen, die automatisch ausgeführt wurden, statt nur in ein Eingabefeld eingetragen zu werden. Der so erzeugte Agent wurde laut SecurityWeek veröffentlicht und wiederkehrend geplant, um E-Mails mit dem Betreff-Präfix „TASK“ von einer Angreifer-Adresse als Befehle abzuarbeiten und Ergebnisse ungefiltert zurückzusenden. Bei der Wiederholungsfrequenz weichen die Quellen leicht voneinander ab: t3n spricht von einem Fünf-Minuten-Takt beim Mail-Check, SecurityWeek von einer stündlichen Planung — eine einheitliche Bestätigung dieses Details liegt nicht vor.

Zenity Labs meldete die Lücke laut SecurityWeek und The Hacker News am 4. Juni 2026 über die Bug-Bounty-Plattform Bugcrowd; OpenAI bestätigte den Report am Folgetag und entfernte den verwundbaren URL-Parameter bereits am 8. Juni 2026 — eine Reaktionszeit von vier Tagen. Öffentlich gemacht wurde der Fall erst rund sieben Wochen später, am 23./24. Juli 2026. Ob die Lücke vor der Behebung tatsächlich von Angreifern ausgenutzt wurde, ist laut allen eingesehenen Quellen nicht bekannt. Ein eigenes öffentliches Statement von OpenAI zu dem Vorfall findet sich in keinem der Artikel; laut The Register reagierte das Unternehmen nicht auf eine Presseanfrage und bestätigte die Behebung nur indirekt über die Entfernung des Parameters.

Zenity-Forscher Michael Bargury ordnet den Fall laut The Register als grundsätzliches „Agent-Trust“-Problem ein: Mit einem Klick erhalte ein Angreifer einen vollautonomen Agenten mit der Identität und den Zugriffsrechten eines echten Mitarbeiters — technisch ähnelt der Mechanismus klassischer Cross-Site-Request-Forgery, übertragen auf KI-Agenten. Er reiht sich damit in eine wachsende Liste von ChatGPT-Sicherheitsvorfällen ein, die auf demselben Grundmuster beruhen: Prompt Injection über Links, Dokumente oder E-Mails zur stillen Datenexfiltration. Der „AgentFlayer“-Fall über ein präpariertes Dokument, die „ShadowLeak“-Lücke im Deep-Research-Modus und die von Tenable unter dem Namen „HackedGPT“ gebündelten sieben Schwachstellen zeigen, dass verbundene Unternehmensanwendungen und autonome Agenten-Features wiederholt zum Einfallstor werden, während OpenAI die einzelnen Lücken jeweils zeitnah, aber reaktiv schließt.

Reportage

Der Kampf um offene Gewichte: Wie Washington zwischen Verbot und Umarmung schwankt

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Tool-Radar

Neue und trendende KI-Tools des Tages

Pushary Logo
Schickt Push-Benachrichtigungen ans Smartphone, sobald ein KI-Coding-Agent fertig ist, scheitert oder eine Freigabe braucht.
Fängt Tool-Use-Events von Cursor, Claude Code, Codex, Windsurf & Co. per Hook ab und leitet Freigabe-Anfragen als Lockscreen-Notification weiter — antworten geht direkt vom Sperrbildschirm aus. Solo-Gründer Aadil Ghani litt beim parallelen Betrieb mehrerer Coding-Agents selbst an „Approval Fatigue“.
Dev-Tools · Juli 2026
Fluree AI Logo
Gibt KI-Agenten via Knowledge Graph vertrauenswürdigen, granular berechtigten Zugriff auf Unternehmensdaten.
Native MCP-Unterstützung, über 300 Konnektoren (Salesforce, Snowflake, Stripe etc.) mit automatischer Schema-Erkennung; jede Antwort trägt einen signierten Herkunftsnachweis. Von der etablierten Graph-Datenbank-Firma Fluree.
Dev-Tools · Juli 2026
YC has it Logo
Beschreibt man sein Problem in einfachen Worten, findet das Tool das passende Y-Combinator-Startup dafür.
Durchsucht über 4.000 aktive YC-Firmen und liefert 1-3 Treffer samt Begründung, Preisen und Integrationen — kostenlos, ohne Login. Von Indie-Entwickler Raghav als Reaktion auf YCs schwer durchsuchbares Firmenverzeichnis.
Produktivität · Juli 2026
HarnessRouter Logo
Bindet KI-Coding-Agents wie Codex, Claude Code und Hermes per einheitlicher API in eigene Produkte ein.
Übernimmt die komplette Backend-Infrastruktur (Sandboxing, Runtime, Tool-Orchestrierung, Output-Handling), die sonst monatelange Eigenentwicklung erfordert. Y-Combinator-backed.
Dev-Tools · Juli 2026
MinkNote Logo
Private macOS-Notizen-App, die alle Inhalte als reine Markdown-Dateien im eigenen Dateisystem speichert.
Kein Account, keine Cloud-Datenbank, kein Vendor-Lock-in — volle Kompatibilität mit Finder, Git und beliebigen Cloud-Speichern. Von Entwickler Demian Turner (Muse23).
Produktivität · Juli 2026
Liso Logo
Verwandelt markierten Text auf jeder Webseite per Chrome-Extension in Audio.
Text markieren, Liso liest ihn in natürlicher KI-Stimme vor und legt ihn in einer persönlichen Audio-Bibliothek ab — offline hörbar und geräteübergreifend fortsetzbar, ideal um die „Später lesen“-Liste beim Gehen oder Sport abzuarbeiten.
Produktivität · Juli 2026

Aus der Werkstatt

YouTube-Empfehlungen: Tutorials, Erklärungen und Werkzeuge

What did Anthropic do?! (Opus 5)
Tutorial
Matthew Berman · 12:35
Matthew Berman testet Claude Opus 5 direkt am Release-Tag mit technischen Coding- und Reasoning-Benchmarks und ordnet ein, was Anthropic mit dem neuen Modell verändert hat. Eine fundierte, technische Ersteinschätzung von einem etablierten AI-Reviewer.
I Spent $400 Benching Opus-5. Here's What It Can Do
Tutorial
Nick Saraev · 15:53
Nick Saraev lässt für 400 Dollar an API-Kosten umfangreiche reale Coding-Benchmarks gegen Claude Opus 5 laufen und zeigt konkrete Ergebnisse und Grenzen des neuen Modells auf — praxisnah statt oberflächlicher Hype-Reaktion.