Apple · WWDC 2026
Apple baut Siri neu — mit Googles Gemini im Maschinenraum und einem „Nicht für Europa“-Schild
Es war Tim Cooks letzte WWDC als CEO — und Apple nutzte sie, um endlich die KI-Aufholjagd einzuläuten. Am 8. Juni stellte der Konzern Siri AI vor, den umfassendsten Umbau des Sprachassistenten seit seiner Einführung 2011. Aus dem reaktiven Kommando-Empfänger wird ein konversationeller, systemweiter Assistent: Siri liest den Bildschirminhalt, versteht Fotos, zieht persönlichen Kontext aus Nachrichten, Mail, Kalender und Notizen und führt mehrstufige Aufgaben über App-Grenzen hinweg aus. Auf iPhone, iPad und Mac bekommt Siri sogar eine eigenständige App, in der Konversationen erhalten bleiben und privat über iCloud synchronisiert werden. Ein neuer Kamera-Modus erkennt Objekte vor der Linse — Kamera auf eine Restaurantrechnung halten, und Siri teilt den Betrag unter Freunden auf.
Die eigentlich überraschende Nachricht steckt unter der Haube. Siri AI läuft auf der „nächsten Generation der Apple Foundation Models in Zusammenarbeit mit Google und Gemini“ — Apple bestätigte damit offiziell, was Bloomberg seit November 2025 berichtet hatte: Ein maßgeschneidertes Gemini-Modell mit kolportierten 1,2 Billionen Parametern (rund achtmal größer als Apples bisherige Cloud-Modelle) übernimmt die schwersten Reasoning-Aufgaben. Die Kosten beziffert Bloomberg auf rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr — diese Zahl ist eine Schätzung, von Apple nicht bestätigt. Der datenschutz-obsessive Konzern verkauft das Outsourcing als Stärke: Die Gemini-Gewichte laufen innerhalb von Apples Private Cloud Compute, Nutzerdaten fließen vertraglich nicht zu Google und werden nach der Verarbeitung gelöscht. Apple kauft sich also das beste fremde Modell ein und legt seine eigene Datenschutzschicht darum.
Für die deutsche und europäische Leserschaft ist die Pointe bitter: Siri AI kommt mit iOS 27 und iPadOS 27 zunächst nicht in die EU. In einem eigenen Newsroom-Statement macht Apple den Digital Markets Act (DMA) verantwortlich: Brüssel habe keinen von Apples Lösungsvorschlägen akzeptiert. Software-Chef Craig Federighi nennt sich „zutiefst enttäuscht“, dass EU-Nutzer Siri AI auf iPhone und iPad „nicht haben werden“, und nennt explizit keinen Zeitplan. Verfügbar bleibt Siri AI in der EU nur auf macOS 27 („Golden Gate“) und visionOS. Apple und die EU-Kommission schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu — der Streitpunkt ist, dass der DMA Apple zwingen würde, fremden Assistenten denselben tiefen Systemzugriff zu gewähren wie Siri selbst.
Hinter dem Glanz liegt eine Demütigung, die Apple gerade erst teuer bezahlt hat. Den Siri-Umbau hatte der Konzern bereits auf der WWDC 2024 gezeigt und mit dem iPhone 16 beworben — nur um die Features im März 2025 zu verschieben und die Werbung zurückzuziehen. Im Mai 2026 einigte sich Apple in einer Sammelklage auf einen Vergleich über 250 Millionen US-Dollar wegen irreführender Werbung; betroffene US-Käufer erhalten bis zu 95 Dollar. Das „Aufhol“-Narrativ ist also wörtlich zu nehmen: Apple liefert 2026, was es für 2024 versprochen hatte.
Strategisch noch wichtiger als das Verbraucher-Feature ist der Plattform-Schachzug für Entwickler. Apple deprecatet SiriKit und macht App Intents zur einzigen Schnittstelle, über die Apps im Gemini-gestützten Siri auftauchen — ein erzwungener Migrationsmarsch über die nächsten zwei bis drei Jahre für jede App, die sichtbar bleiben will. Gleichzeitig lockt Apple mit kostenloser KI: Entwickler mit weniger als zwei Millionen erstmaligen App-Store-Downloads dürfen die Foundation Models über Private Cloud Compute ohne Cloud-API-Kosten nutzen, der Einstieg gelingt „mit nur drei Zeilen Code“. Apple senkt damit die KI-Einstiegshürde im eigenen Ökosystem — und entwertet zugleich das Geschäftsmodell vieler Startups, deren Wert vor allem im Wrapper um eine teure Cloud-API liegt. Die Developer-Beta läuft seit dem 8. Juni, die Public Beta folgt im Juli, die finale Auslieferung im September parallel zum iPhone 18. Zum 1. September übernimmt John Ternus den CEO-Posten.
- Apple Newsroom — Due to DMA, Siri AI delayed in EU for iOS 27 and iPadOS 27
- TechCrunch — WWDC 2026: Everything announced on Siri AI, iOS 27, Apple Intelligence
- TechCrunch — Apple bets cheaper AI will woo small developers
- Bloomberg — Apple Plans to Use 1.2 Trillion Parameter Google Gemini Model to Power New Siri
- Apple Security Research — Expanding Private Cloud Compute
- CNN Business — Apple finally lays out its AI plans with a brand new version of Siri