Justiz · Musk v. Altman
„Zu spät gekommen“: Eine Jury in Oakland weist Musks Klage gegen OpenAI und Sam Altman komplett ab
Der wichtigste Satz fiel kurz nach 16 Uhr Ortszeit in Oakland. Nach elftägiger Verhandlung und einer Jury-Beratung von rund 90 Minuten verkündete Richterin Yvonne Gonzalez Rogers, das Gericht „bestätigt nun die zuvor gegebene Andeutung, dass es die Findings der Jury als seine eigenen übernimmt". Die Jury sah „eine substanzielle Menge an Beweisen, die das Jury-Verdikt stützen". Konkret: Musks Ansprüche aus Breach of Contract, Breach of Charitable Trust, Promissory Estoppel und Unjust Enrichment seien sämtlich verjährt. Kalifornien gibt für solche Klagen drei Jahre Frist. Musk verließ den OpenAI-Board 2018, stellte seine Finanzierung 2020 ein und reichte erst im Februar 2024 Klage ein.
Was auf dem Spiel stand, war kein Symbol. Musk forderte bis zu 150 Milliarden Dollar Schadensersatz (in einer früheren Klageschrift sogar bis zu 180 Milliarden „ill-gotten gains"), die in die OpenAI-Foundation zurückfließen sollten. Er forderte die persönliche Absetzung von Altman und Brockman. Er forderte die Rückabwicklung der Restrukturierung vom 28. Oktober 2025, in deren Folge OpenAI als Public Benefit Corporation neu sortiert wurde und Microsoft einen 27-Prozent-Stake im Wert von rund 135 Milliarden Dollar erhielt. Und er forderte ein Verbot der Microsoft-Beteiligung. Alle vier Forderungen sind nun abgewiesen.
Die juristische Pointe: Die eigentliche Sachfrage wurde nicht entschieden. Die Frage, ob Altman und Brockman tatsächlich „eine Wohltätigkeitsorganisation gestohlen" haben — wie Musk es formulierte — bleibt offen. Das Gericht hat ausschließlich die Zeitfrage geprüft. Damit ist auch ungeklärt, ob ein einzelner früherer Spender überhaupt das Standing hat, gegen die For-Profit-Umwandlung einer gemeinnützigen Organisation zu klagen. Klassische Lehrmeinung sagt: Dafür sind State Attorneys General zuständig. California-AG Rob Bonta hatte sich Musks Klage explizit nicht angeschlossen — er hatte der Restrukturierung 2025 sogar zugestimmt, allerdings nachverhandelte Safety-Zusagen extrahiert.
OpenAIs Anwalt William Savitt fasste den prozeduralen Sieg pointiert zusammen. „Das Urteil sagt: Sie haben Ihre Ansprüche zu spät gestellt, und Sie haben das getan, weil Sie auf ihnen gesessen sind, um sie als Waffe gegen einen Wettbewerber zu nutzen, der sich auf dem Markt nicht behaupten kann." Altman, der das gesamte Verfahren im Gerichtssaal verfolgte, gab keine eigene öffentliche Erklärung ab. Musk reagierte innerhalb weniger Stunden auf X mit der Behauptung, „die Richterin und die Jury haben nie die Sachfrage entschieden, sondern nur eine Kalender-Technikalie". Anwalt Toberoff kündigte die Berufung beim 9th Circuit Court of Appeals an. Richterin Gonzalez Rogers deutete an, die Erfolgsaussichten seien gering, da die Verjährungsfrage gründlich geprüft worden sei.
Was bleibt, ist ein doppeltes Signal an den AI-Markt. Erstens: Die OpenAI-Restrukturierung mit Microsoft-Stake, Foundation-Kontrolle und absehbarem IPO (erwartet Q4 2026) ist juristisch durchgewunken und politisch eingehegt. Der Weg zur Börse ist frei. Zweitens: Der Versuch eines einzelnen Tech-Milliardärs, das Governance-Setup eines AI-Labors via Privatklage neu zu sortieren, ist gescheitert — auch wenn Musks Berufungsverfahren das nächste Jahr beschäftigen wird. Die deutsche Presse griff einhellig die Pointe auf: „Zu lange gewartet" — eine deutliche Anspielung auf Gorbatschows Satz, dass das Leben den bestraft, der zu spät kommt. Dass ausgerechnet Musk daran scheitert, ist ironisch genug, um es so stehen zu lassen.
- TechCrunch — Elon Musk has lost his lawsuit against Sam Altman and OpenAI
- Washington Post — Jury rejects Elon Musk lawsuit against OpenAI and CEO Sam Altman
- Bloomberg — Elon Musk Loses Case Against Sam Altman to Force OpenAI Overhaul
- Courthouse News — OpenAI Not Liable for Breach of Charitable Trust
- NPR — Jury rejects Musk-Altman OpenAI claims
- Golem.de — Vorwürfe verjährt: Musk verliert Klage gegen Altman und OpenAI