Justiz · Musk vs. OpenAI
Brockman im Zeugenstand: 30 Milliarden Dollar Beteiligung, Tagebuch-Bekenntnis und ein „Star Trek statt Terminator“-Gegenexperte
Greg Brockman, Mitgründer und Präsident von OpenAI, betrat zum Auftakt der zweiten Verhandlungswoche vor dem U.S. District Court for the Northern District of California in Oakland (Richterin Yvonne Gonzalez Rogers) den Zeugenstand. Seine Aussage füllte praktisch den gesamten Tag und wird Dienstag fortgesetzt. Berichten zufolge sprach Brockman so schnell, dass die Gerichtsstenografin Mühe hatte mitzukommen — die Richterin musste ihn mehrfach bremsen.
Im Mittelpunkt der Befragung durch Musks Anwalt Steven Molo stand Brockmans persönlicher OpenAI-Anteil. Brockman bestätigte unter Eid, dass seine Beteiligung an OpenAI heute „fast 30 Milliarden Dollar“ wert sei. Molo fragte, warum er den Großteil davon nicht an die OpenAI-Foundation gespendet habe. Brockmans Antwort wurde von Wired in der Schlagzeile festgehalten: Die For-Profit-Struktur sei „durch Blut, Schweiß und Tränen gebaut, in all den Jahren, seit Elon weg ist“, und der Nonprofit halte über das For-Profit „Vermögenswerte von 150 Milliarden Dollar“. Molo verglich Brockman daraufhin mit „einem Typen, der eine Bank ausraubt“ — die Bemerkung wurde als argumentativ aus dem Protokoll gestrichen. Beiläufig bestätigte Brockman zudem, dass OpenAI derzeit einen Börsengang „erwägt“.
Den gefährlichsten Moment für die Verteidigung lieferte Brockmans eigenes Tagebuch. Musks Discovery-Team hatte über die Vorverfahrensphase mehrere Einträge gesichert. Bereits im Januar hatte Gonzalez Rogers in der Begründung, mit der sie OpenAIs Motion to Dismiss ablehnte, zwei Passagen zitiert; sie deuteten ihrer Auffassung nach darauf hin, dass Brockman „die Absicht hatte zu täuschen“. Im Saal wurden nun zur Dokumentation aufgerufen: ein Eintrag aus 2017 mit der Frage „Financially, what will take me to $1B?“, ein weiterer mit der Selbstreflexion, sein öffentliches Bekenntnis zur Nonprofit-Mission sei „a lie“, und eine Notiz, OpenAI solle „flipped“ werden, um Profite zu generieren. Brockmans Verteidigung: „That was an expression of frustration, not a plan.“ OpenAIs Anwälte rahmten die Auswahl als „inszeniert für maximale Falschdarstellung“ aus hunderten Seiten privater Reflexion.
Eine zweite Front der Auseinandersetzung lief am Vortag im sogenannten Sunday-Filing der Beklagten: OpenAI legte Textnachrichten vor, die Musk am 25. April — zwei Tage vor Jury-Auswahl — an Brockman geschickt haben soll. Nachdem Brockman vorgeschlagen hatte, beide Seiten ließen ihre Klagen fallen, soll Musk geantwortet haben: „By the end of this week, you and Sam will be the most hated men in America. If you insist, so it will be.“ Richterin Gonzalez Rogers erklärte den Austausch jedoch für inadmissible — OpenAIs Anwälte hätten ihn während Musks Vernehmung in Woche 1 einbringen müssen, nicht jetzt. Vor der Jury bleibt der Inhalt damit ohne Wirkung; öffentlich machte das Filing aber einen Punkt, den OpenAI kommunikativ braucht: dass Musks Klage Settlement-Verhandlungen vorausging und damit primär ökonomisch motiviert sei.
Musks einziger akademischer Sachverständiger, Stuart Russell (UC Berkeley, Mitunterzeichner des „6-Monate-Pause“-Briefs 2023), sagte zu AGI-Risiken aus — Cybersecurity, Misalignment und vor allem die „arms-race dynamic“ zwischen Frontier-Labs. OpenAIs Anwälte erreichten jedoch erfolgreiche Einsprüche; Gonzalez Rogers schränkte Russells Aussagen zu existenziellen Risiken stark ein mit der wiederholten Maßgabe: „This is not a trial on the safety risks of artificial intelligence.“ Im Cross-Examination etablierte OpenAI, dass Russell weder OpenAIs Corporate-Struktur noch die konkreten Safety-Policies geprüft habe. Russells Pop-Kultur-Pointe vom Vortag — „Star Trek statt Terminator“ — bleibt als Bild im Gedächtnis, juristisches Gewicht hat sie nicht.
Die Wettmärkte spiegeln die Verschiebung: Kalshi taxiert Musks Sieg-Wahrscheinlichkeit auf rund 37 bis 38 Prozent (vor Trial-Beginn lag sie bei 56 Prozent). Polymarket sieht Musk bei 33 Prozent; ein Einigungs-Markt mit Mindestsumme 10 Milliarden Dollar bei nur 11 Prozent. Erwartet werden in dieser Woche noch Ilya Sutskever (ex-Chief-Scientist, ca. 30 Minuten Aussage geplant), Mira Murati (ex-CTO), Shivon Zilis (Musks ex-Vertraute, drei Stunden eingeplant) und Satya Nadella (Microsoft-CEO, eine Stunde). Sam Altman selbst soll Mitte bis Ende Woche 2 oder Anfang Woche 3 (11. bis 13. Mai) aussagen. Die Beweisaufnahme zur Liability-Phase läuft bis 21. Mai; die Remedies-Phase ab 18. Mai entscheidet Richterin Gonzalez Rogers ohne Jury.
- TechCrunch — Musk’s only AI expert witness fears an AGI arms race
- TechCrunch — Musk sent ominous texts to Brockman, Altman after asking for settlement
- Wired — Greg Brockman Defends $30B OpenAI Stake
- MIT Technology Review — Week one of the Musk v. Altman trial
- The Verge — Live updates on the Musk-Altman trial
- CNBC — Musk’s odds of winning are slim, Kalshi traders say