Iran droht mit „völliger Vernichtung“ von OpenAIs Stargate-Rechenzentrum — KI-Infrastruktur wird zum Kriegsziel
Am 3. April 2026 veröffentlichte die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) über ihren Sprecher Brigadegeneral Ebrahim Zolfaghari ein Video, das die „vollständige und restlose Vernichtung“ US-amerikanischer und israelischer Einrichtungen androht — darunter explizit OpenAIs geplantes Stargate-Rechenzentrum in Abu Dhabi. Das Video zeigt Satellitenbilder des Standorts und wechselt zu einer Nachtsicht-Ansicht mit der Botschaft: „Nichts bleibt unseren Augen verborgen, auch wenn Google es versteckt.“
Die Drohung ist keine leere Rhetorik: Am 1. März 2026 hatten iranische Shahed-Drohnen bereits drei Rechenzentren von Amazon Web Services in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain getroffen — der erste gezielte militärische Angriff auf kommerzielle Cloud-Infrastruktur in der Geschichte. Zwei von drei AWS-Verfügbarkeitszonen in der VAE-Region fielen aus. Banken, Zahlungsdienstleister und Unternehmenssoftware gingen offline. Auch ein Oracle-Rechenzentrum in Dubai wurde mit Raketen beschossen.
Das Stargate-Rechenzentrum in Abu Dhabi ist Teil des 500-Milliarden-Dollar-Stargate-Projekts, eines Joint Ventures von OpenAI, SoftBank, Oracle und dem Investmentfonds MGX. Das Flaggschiff in Abilene, Texas, ist bereits teilweise in Betrieb; insgesamt sind sieben Standorte in verschiedenen Entwicklungsphasen geplant, mit einer Gesamtkapazität von fast sieben Gigawatt. Iran hat am 31. März zudem eine explizite Liste amerikanischer Tech-Unternehmen als Ziele benannt: Microsoft, Google, Apple, Meta, Oracle, Intel, Palantir und NVIDIA.
Das Weltwirtschaftsforum reagierte prompt und forderte Anfang April, KI-Infrastruktur offiziell als kritische Infrastruktur einzustufen — mit allen völkerrechtlichen Schutzbestimmungen, die damit einhergehen. Denn bisher existiert kein internationaler Rahmen, der kommerzielle Rechenzentren im Konfliktfall explizit schützt. Für europäische Unternehmen, die ihre KI-Workloads in Cloud-Regionen im Nahen Osten betreiben, stellt sich eine unbequeme Frage: Wie bewertet man geopolitisches Risiko in der Standortwahl für Recheninfrastruktur? Unsere heutige Reportage analysiert die Geopolitik der KI-Infrastruktur im Detail.