Copilot spricht jetzt Claude: Microsoft löst sich von der OpenAI-Abhängigkeit
Microsofts Integration von Anthropics Claude in das Copilot-Ökosystem markiert eine strategische Neuausrichtung: Der Konzern löst sich von der exklusiven Abhängigkeit von OpenAI und setzt auf ein Multi-Modell-Angebot. Copilot Cowork ist der ambitionierteste Schritt — ein KI-Agent, der eigenständig in Word, Excel und Outlook arbeiten kann, während der Nutzer anderes tut. Die Wahl von Claude für die agentenbasierte Reasoning-Schicht ist bemerkenswert: Anthropics Modelle gelten in Benchmarks als führend bei komplexen, mehrstufigen Aufgaben.
Verfügbar sind Claude Sonnet 4 und Claude Opus 4.1 in Copilot Studio, neben den bisherigen OpenAI-Modellen. Besonders interessant ist die neue „Researcher Critique“-Funktion: GPT erstellt Entwürfe, Claude prüft sie auf Genauigkeit — ein Multi-Modell-Ansatz, der laut Microsoft 13,8 DRACO-Punkte über der Konkurrenz liegt. Für die Microsoft-OpenAI-Beziehung bedeutet dies eine sichtbare Diversifizierung. Microsoft investierte seit 2019 rund 13 Milliarden Dollar in OpenAI, doch die jüngsten kartellrechtlichen Spannungen haben das Verhältnis belastet.
Das neue E7-Lizenz-Tier bei 99 USD pro Nutzer und Monat zeigt, wie aggressiv Microsoft die KI-Monetarisierung vorantreibt — es ist das teuerste Enterprise-Paket in der Geschichte von Microsoft 365. Für Anthropic öffnet sich durch die Partnerschaft ein gewaltiger Vertriebskanal: Hunderte Millionen Microsoft-365-Nutzer könnten künftig mit Claude interagieren, ohne es bewusst als separates Produkt zu nutzen.
Die Datenresidenz-Frage bleibt für europäische Unternehmen allerdings ein Hindernis. Da Anthropic keine EU-Rechenzentren betreibt, ist der Einsatz für EU-Kunden mit zusätzlichen Compliance-Hürden verbunden — Admins müssen die Nutzung explizit per Opt-in freigeben. Für DSGVO-sensible Organisationen ist das ein Punkt, der genau geprüft werden muss.